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Rückschau Innovative Lehre 2017

           

Teachers Talk - Martin Spitzer

 

Univ.-Prof. Dr. Martin Spitzer ist Professor für Bürgerliches Recht und Zivilverfahrensrecht und Programmdirektor des Jusstudiums an der WU. Im Jahr 2017 gewann er den Preis für Exzellente Lehre, im Jahr 2016 wurde er für Innovative Lehre ausgezeichnet. Im Interview verrät er, was gute Lehre für ihn bedeutet und was ihm als akademischem Lehrer besonders viel Spaß macht.

     

Was macht für Sie gute Lehre aus? 

Bei guter Lehre steht derjenige im Mittelpunkt, der etwas lernen will, nicht der Vortragende und nicht der Teil des Publikums, der nur die Zeit absitzt. Akademische Lehre soll daher zwar versuchen, alle zu begeistern, muss aber im Ergebnis damit nicht alle erreichen, sondern die Zielgruppe. Darauf müssen sich beide Seiten einlassen. Und das tut man als Lehrender am besten, indem man authentisch lehrt und so ist, wie man sich im Hörsaal wohlfühlt. Wer schlagfertig ist, soll schlagfertig sein, wer lustig ist, lustig, wer trockener ist, eben trocken. Das Publikum spürt, wenn Vortragende sich nicht wohlfühlen, wenn sie sich aus einer fremden Didaktik-Trickkiste bedienen.

Umgekehrt müssen Vortragende auch das Publikum lesen, die Stimmung im Hörsaal wahrnehmen und darauf reagieren. Wann nimmt man Tempo raus, wann legt man noch eins drauf, wann erzählt man eine Geschichte, das kann man nicht autistisch vorgeben, sondern das ergibt sich letztlich im Dialog. Deshalb will ich immer Interaktion, auch im Audimax möchte ich mit den Studierenden sprechen und nicht nur zu ihnen. Lehre entsteht gemeinsam, weil man gemeinsam einer Erkenntnis auf der Spur ist.

Was erwartet die Studierenden, wenn Sie in Ihre Vorlesung kommen?

Die gemeinsame Erkenntnissuche eben. Und die ist auch manchmal mühsam. Ich denke, dass die Studierenden wissen, dass meine Erwartungen und Anforderungen hoch sind – aber das ist der Preis für eine gute Ausbildung und gute Berufsaussichten und beides haben unsere Wirtschaftsrechts-AbsolventInnen.

Die Studierenden wissen aber auch, dass wer sich darauf einlässt auch etwas zurückbekommt. Mein Team und ich schieben immer wieder Zusatzstunden ein, wir sind sehr unkompliziert erreichbar, versuchen auch Klausuren möglichst schnell zu korrigieren, manchmal gelingt uns das binnen 24 Stunden. Das ist Wertschätzung der Studierenden, die auch bemerkt wird. Und wir bemühen uns, die besonders Engagierten besonders zu fördern, in strukturierten Bachelorarbeitsprogrammen, bei Seminaren usw.

Häufig probieren wir auch neue Dinge bei uns am Lehrstuhl aus. Beispielsweise stellen wir im Studio produzierte Lecturecasts frei zur Verfügung (psk.manz.at). Denn Lehre findet heute nicht mehr nur im Hörsaal statt, sondern mit vielen verschiedenen Lehrbehelfen. Bei uns Juristen sind dafür immer noch die Lehrbücher zentral. Die gehören so geschrieben und aufbereitet, dass man damit auch wirklich lernen kann. Deshalb ist es auch eine wirkliche Auszeichnung, dass das Lehrbuch, das ich seit 10 Jahren mit zwei Kollegen betreue, das bestverkaufte juristische Buch in Österreich ist. Das freut mich als Autor.

Was raten Sie jungen Kolleg/inn/en, deren Lehrkarriere gerade erst beginnt?

Wenn man frisch dabei ist, ist man sehr auf den Inhalt konzentriert und vergisst dadurch schon einmal auf die Didaktik. Mir ist es besonders wichtig, dass junge Lehrende Zeit haben, sich damit zu beschäftigen. Deshalb gehen bei uns am Lehrstuhl neue MitarbeiterInnen ein Semester lang mit erfahreneren Leuten mit in den Hörsaal und konzentrieren sich dabei auf das didaktische Setting und nicht nur auf den Inhalt. So können Sie lernen, wie man etwas verständlich vermitteln kann. Was für einen passt, schaut man sich ab, was nicht, macht man anders. Abgesehen davon ist es mir sehr wichtig, dass Prae-Docs möglichst breite Lehrerfahrungen sammeln können und zum Beispiel auch außeruniversitär unterrichten (etwa bei Seminaren). Lehre hat bei uns einen hohen Stellenwert und dass mein Team dabei so erfolgreich ist, freut mich wirklich. Wenn dann teilweise die Studierenden direkt in den Kurs eines Mitarbeiters gehen und meine Vorlesung spritzen, ist das daher auch irgendwie ein Grund, stolz zu sein.

Was schätzen Sie an Ihrer Lehrtätigkeit besonders?

Ich stehe gerne im Hörsaal. Ich glaube für einen Professor gibt es wenig Schöneres, als wenn Lehre funktioniert und daraus Verständnis entsteht. Ich versuche daher auch nicht, den Anteil der Lehre in meiner beruflichen Tätigkeit zu verringern. Es ist ein Privileg, in seinem Beruf mit jungen, interessierten und intelligenten Menschen zu tun zu haben, sowohl im Hörsaal mit den Studierenden, als auch mit dem eigenen Team.

Die Atmosphäre an einer Universität ist etwas ganz besonderes, was man oft erst zu schätzen weiß, wenn man auch anderes gesehen hat. Alle sind daran interessiert ihr Wissen gemeinsam zu erweitern, alle sind im Ergebnis auf derselben Suche.