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Teachers Talk - ao. Univ.-Prof. Dr. Johannes Steyrer

 

 

 

ao. Univ.-Prof. Dr. Johannes Steyrer vom „Interdisziplinären Institut für Verhaltenswissenschaftlich Orientiertes Management“, ist Programmdirektor des Masterstudiums Management der WU und  Leiter des "MBA Studiums Healthcare Management" an der Executive Academy. Im Jahr 2018 wurde ihm der Staatspreis für exzellente Lehre an Österreichs öffentlichen Universitäten (Ars Docendi) sowie eine Auszeichnung für „Exzellente Lehre“ an der WU Wien verliehen. Im Interview verrät er, was gute Lehre für ihn bedeutet.

     

Was zeichnet Ihre Lehre aus?

Ich habe das Glück, Inhalte zu vermitteln, die jeden Menschen tangieren. Ich unterrichte „Verhalten in Organisationen“. Da geht es um die Frage, wie Menschen Organisationsziele erreichen und wie Organisationen Menschen formen bzw. verformen. Kommunikation, Motivation, Manipulation, Leadership, Gruppendynamik, organisationaler Wandel, Konflikte, Persönlichkeit und Arbeitsverhalten etc., das sind Inhalte, die für jeden relevant sind. Der Philosoph Martin Buber hat einmal gesagt: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung!“ Ich habe das Privileg einen Stoff zu unterrichten, der dieses Zwischenmenschliche, Beziehungen, also Begegnungen zum Inhalt hat. Das ist wahr­schein­lich anschlussfähiger an die Lebens- und Berufssituation unserer Studierenden als viele andere Themen.

 

Was macht für Sie gute Lehre aus?

Zwei Faktoren sind meines Erachtens zentral: Zum Ersten sollte man selbst vom Inhalt des Stoffs begeistert sein. Wahrscheinlich springt nur dann ein Funke auf die Studierenden über, wenn man selbst für die Inhalte brennt, wenn die eigenen Augen funkeln. Zum Zweiten muss es gelingen, einen Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis herzustellen. Z. B. ist es sinnlos, über Teamarbeit Ex cathedra zu reden. Da müssen Studierende einmal selbst erleben, wie Kooperation funktioniert, dann sollten sie Rückmeldung über das Erreichte erhalten und erst im dritten Schritt ist das sozial Erfahrene anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse zu erklären bzw. sind Optimierungspotentiale aufzuzeigen. Die meisten meiner Inhalte unterrichte ich mit einem derartigen dreistufigen Lehrkonzept.

 

Was würden Sie Kolleg/inn/en raten, die gerade erst zu lehren beginnen?

Wenn ich mich an meine eigenen Anfänge zurückerinnere, dann sehe ich mich, wie ich für jede Lehrveranstaltung unzählige Textpassagen genau vorbereitete, die ich dann eins zu eins vortrug. So kam ich aber nie in einen Flow und wirkte ziemlich steif. Andererseits braucht man, um ein guter Lehrer zu sein, eine solide inhaltliche Basis. Wie so oft im Leben ist das ein Navigieren zwischen Skylla und Charybdis. Gute Lehre basiert aber zunächst einmal auf solidem Wissen. Erst danach kommt die Didaktik. Am Beginn sollte man daher den eigenen Anspruch nicht allzu hoch ansetzen. Der Flow kommt später von alleine.

 

Haben Sie Tipps für eine gelungene Lehrveranstaltung, die Sie an interessierte Kolleg/inn/en weitergeben können?

Die Frage geht meiner Meinung nach von einem falschen Verständnis aus, was guter Unterricht ist. Dahinter steht ein mechanistisches Schema nach dem Motto: Da Tipps, Tricks und Tools - dort begeisterte Studierende. Ein gelungener Unterricht ist ein vielschichtiger sozialer Prozess. Wenn Sie aber unbedingt einen konkreten Ratschlag wollen, dann ist meines Erachtens die Bezugnahme auf konkrete Praxisbeispiele ein Erfolgsrezept. Wenn ich über Narzissmus und Führung spreche, dann bleibt dieses Thema ohne Bezugnahme –  z. B. auf Steven Jobs und sein Führungsverhalten – leer und wenig nachvollziehbar.

 

Was hat Ihnen selbst in Ihrer Lehr-Karriere am meisten weitergeholfen?

Für mich war Forschung und Lehre niemals ein Entweder-oder sondern immer ein Sowohl-als-auch. Mir hat das Unterrichten immer große Freude gemacht und ohne die Möglichkeit, an der Uni auch als Lehrer tätig zu sein, hätte ich keine akademische Laufbahn eingeschlagen.

 

Welche Elemente Ihres Konzeptes konnte die Jury beim Ars Docendi Ihrer Meinung nach besonders überzeugen?

Wir haben den Ars Docendi ja nicht für eine konkrete Lehrveranstaltung bekommen, sondern für die didaktische Konzeption, wie in unserem Master „Management“ eine Masterthesis verfasst wird. Was da die Jury am meisten überzeugt hat, war meiner Meinung nach die stringente Struktur und Taktung sowie die genau definierte Projektbegleitung, die unser Konzept vorsieht. So garantieren wir, dass an unserem Department pro Jahr über 100 Masterthesen fair, einheitlich und wissenschaftlich solide betreut und zeitgerecht abgeschlossen werden.

[Anmerkung: Wer sich das prämierte Konzept gerne näher ansehen möchte, findet es auf der Homepage des Atlas für Gute Lehre.]

 

Welchen abschließenden Gedanken würden Sie den WU-Lehrenden gerne mitgeben?

Die Lehre hat in der akademischen Laufbahn einen zu geringen Stellenwert. In den letzten Dezennien wurde der Fokus zu stark auf die wissenschaftliche Performance gelenkt. Da gilt es neue Anreize zu schaffen.