Syllabus

Titel
1628 S3CF2 Behavioral Corporate Finance
LV-Leiter/innen
ao.Univ.Prof. Dr. Manfred Frühwirth
Kontakt
  • LV-Typ
    PI
  • Semesterstunden
    2
  • Unterrichtssprache
    Deutsch
Anmeldung
05.09.2019 bis 22.09.2019
Anmeldung über LPIS
Hinweise zur LV
Planpunkt(e) Master
Termine
Wochentag Datum Uhrzeit Raum
Dienstag 26.11.2019 14:00 - 17:15 D4.0.136
Donnerstag 05.12.2019 14:00 - 17:15 D4.0.136
Donnerstag 12.12.2019 14:00 - 17:15 D4.0.136
Freitag 20.12.2019 14:00 - 17:15 D4.0.136
Donnerstag 09.01.2020 14:00 - 17:15 D4.0.136
Donnerstag 16.01.2020 14:00 - 17:15 D4.0.136
Donnerstag 23.01.2020 14:00 - 17:15 D4.0.136
Donnerstag 30.01.2020 09:00 - 11:00 TC.2.02

Inhalte der LV

Ein Großteil der Ausbildung in finanzwirtschaftlichen Studienprogrammen geht – entsprechend der grundlegenden Annahme der "Standard Finance" (= traditionelle Finanzwirtschaft) - von rationalen Akteuren am Kapitalmarkt aus. In einer solchen Welt ist es einfach, die Handlungen aller Marktteilnehmer zu prognostizieren. Jeder maximiert seinen erwarteten Nutzen. Dies mündet unter anderem in der Annahme, dass die Preise der Wertpapiere deren fundamentalen Werten entsprechen ("Annahme des effizienten Kapitalmarktes").

Diese Lehrveranstaltung befasst sich ergänzend dazu mit Irrationalität (in Form von Heuristiken und Verzerrungen) unterschiedlicher Akteure (v. a. Investoren, Analysten, Rating-Agenturen und Manager). Dabei wird - insbesondere am Beispiel von übermäßiger Volatilität am Kapitalmarkt sowie der Verzerrungen Verlustaversion und Overconfidence - aufgezeigt, wie irrational Investoren (sowie Kapitalmarktteilnehmer auf deren Seite) bzw. Manager agieren. Auf dieser Basis werden die Auswirkungen von Irrationalität auf betriebliche Finanzentscheidungen untersucht. Die in dieser Lehrveranstaltung untersuchten Finanzentscheidungen umfassen insbesondere die Wahl des Investitionsprogrammes, die Kapitalstrukturentscheidung, Börsengänge, die Dividendenpolitik und Aktienrückkäufe. Dabei werden sowohl die Reaktion von rationalen Managern auf Irrationalität auf Seiten der Investoren als auch Entscheidungen von irrationalen Managern untersucht. Somit befasst sich diese Lehrveranstaltung mit der Schnittstelle aus betrieblicher Finanzierung und Psychologie.Die Integration von psychologischen Phänomenen in die betriebliche Finanzierung ermöglicht es, zahlreiche noch nicht ausreichend geklärte Fragen der betrieblichen Finanzierung zu beantworten und somit in der Praxis beobachtbare Phänomene besser zu verstehen.

Lernergebnisse (Learning Outcomes)

Nach Abschluss dieser Lehrveranstaltung sind die Absolventinnen und Absolventen in der Lage,

  • einen Überblick über die verschiedenen Strömungen innerhalb der Finanzwirtschaft und innerhalb der Betrieblichen Finanzierung zu geben und die verschiedenen Strömungen voneinander abzugrenzen.
  • die Modelle der Standard Corporate Finance (insbesondere die Annahme der Rationalität aller Beteiligten und jene des effizienten Kapitalmarktes) kritisch zu hinterfragen und so ihre finanzwirtschaftliche Intuition zu verbessern.
  • Irrationalität in Unternehmen und am Kapitalmarkt zu erkennen.
  • zu verstehen, dass es konzeptionell einen Unterschied zwischen dem Preis eines Wertpapieres und seinem fundamentalen Wert gibt.
  • zu verstehen, warum die in anderen Finanz-Kursen gelehrte quantitative Bewertung von Wertpapieren nicht durch den uneingeschränkten Glauben an die Marktpreise ersetzt werden kann.
  • zu erkennen, wie ein rationales Management auf irrationale Investoren reagieren kann.
  • den Einfluss von Irrationalität von Investoren oder Managern auf die Investitionspolitik von Unternehmen zu erkennen und zu beurteilen.
  • den Einfluss von Irrationalität von Investoren oder Managern auf die Kapitalstruktur von Unternehmen zu erkennen und zu beurteilen.
  • den Einfluss von Irrationalität von Investoren oder Managern auf die Dividendenpolitik von Unternehmen zu erkennen und zu beurteilen.
  • den Einfluss von Irrationalität von Investoren oder Managern auf Aktienrückkäufe von Unternehmen zu erkennen und zu beurteilen.
  • zu erkennen, wie Irrationalität von Investoren oder von Managern Unternehmenswert (bzw. Shareholder Value) vernichtet.
  • unterschiedliche Perspektiven (z. B. Position der Manager vs. Position der Investoren, rationale Position vs. irrationale Position) einzunehmen.
  • durch Integration von psychologischen Effekten und Irrationalität empirisch beobachtbare finanzwirtschaftliche Phänomene und Entscheidungen in der Praxis, die häufig dem Verhalten gemäß der Standard Corporate Finance widersprechen, besser zu verstehen.
  • eigenständig Gruppen zu bilden und sich innerhalb der Gruppe zu organisieren.
  • sich in Teams einzubringen und als Gruppenmitglied wertvolle Beiträge zu leisten.
  • eigenständig und in Gruppen Projekte zu analysieren und konstruktiv zu bearbeiten.
  • in Gruppen verschiedene Lösungswege zu diskutieren sowie Probleme zu lösen.
  • den Kern einer Problemstellung zu erkennen.
  • die Komplexität von Fallstudien zu reduzieren, indem man die Probleme in Einzelteile zerlegt, diese Einzelteile löst und die partiellen Lösungen zu einer Gesamtlösung zusammenfügt.
  • (sowohl als Einzelperson als auch als Gruppe) ihre Ideen zu strukturieren und zu präsentieren
  • Arbeitsaufträge unter Einhaltung von Deadlines abzuarbeiten und konstruktiv mit Zeitdruck umzugehen.
  • Excel zur Lösung von finanzwirtschaftlichen Problemen zu verwenden.
  • fachspezifische Literatur zu lesen, zu verstehen und kritisch zu beurteilen.
  • die Terminologie in der Behavioral Corporate Finance richtig anzuwenden.
  • aktiv und konstruktiv an Fachgesprächen und Diskussionen auf dem Gebiet der Behavioral Corporate Finance teilzunehmen.

Regelung zur Anwesenheit

Grundsätzlich besteht Anwesenheitspflicht. Es dürfen jedoch bis zu 2 Einheiten zu 2 x 90 Minuten versäumt werden.

 

Leistung(en) für eine Beurteilung

Die Leistungsbeurteilung enthält mehrere Komponenten:

  • Auf individueller Ebene fließen die Quizzes am Anfang mancher Lehrveranstaltungs-Einheiten und die Abschlussklausur in die Note ein.
  • Jede Gruppe muss darüber hinaus im Unterricht die Lösung mindestens eines Beispiels oder einer Fallstudie präsentieren. Gruppen, die während des Unterrichts kein(e) Beispiel/Fallstudien-Lösung präsentiert haben, müssen nach dem Modul noch ein Projekt durchführen und via Learn@WU einreichen.

Die folgende Tabelle fasst die Pflichtkomponenten und deren Gewichtung in der Gesamtnote zusammen:

Komponente Modus Gewicht
Quizzes individuell 30%
Beispielpräsentation in der Gruppe 20%
Abschlussklausur individuell 50%

 

Es gilt folgender Notenschlüssel auf Basis der Gesamtpunkte:

Note Prozentbereich
Sehr gut 87,6-100 %
Gut 75,1-87,5 %
Befriedigend 62,6-75,0 %
Genügend 50,0-62,5 %
Nicht genügend 0-49,9 %

Es gibt keine Mindestpunkteanzahl, die bei den einzelnen Notenkomponenten erreicht werden muss.

Teilnahmevoraussetzung(en) und Vergabe von Wartelistenplätzen

  • Positive Absolvierung beider Kurse aus dem Fach Orientierung Finanzwirtschaft und Rechnungswesen
  • Positive Absolvierung von zumindest acht Lehrveranstaltungen aus dem Fach Grundlagen Finanzwirtschaft, Rechnungswesen und Steuern
  • Vorabzuteilung zur Spezialisierung

Empfohlene inhaltliche Vorkenntnisse

  • Grundkenntnisse in linearer Algebra (Umformen von Gleichungen, Lösen von linearen Gleichungssystemen)
  • Grundkenntnisse der Statistik (Erwartungswert, Varianz, Standardabweichung, Kovarianz, Korrelationskoeffizient)
  • Englischkenntnisse (da Teile der Literatur in englischer Sprache sind)
  • Grundkenntnisse in Excel
  • Konzept des vollkommenen Kapitalmarktes
  • Finanzmathematik (Aufzinsen, Abzinsen, Rentenrechnung)
  • Kriterien der Investitionsrechnung (vor allem Kapitalwert und Interner Zinsfuß)
  • Konzepte der Anleihenbewertung (Rendite = implizite Ermittlung des Fremd-kapitalkostensatzes aus Anleihenpreisen)
  • Bewertung von Aktien mit dem Constant Growth Dividend Discount Model und implizite Ermittlung des Eigenkapitalkostensatzes aus Aktienkursen
  • Weighted Average Cost of Capital (WACC)
  • Investitionsrechnung auf Basis des WACC
  • Grundlagen der Unternehmensbewertung (Multiples, insbesondere Kurs-Gewinn-Verhältnis und Marktwert-Buchwert-Verhältnis, Discounted Cash Flow-Verfahren)
  • Asymmetrische (heterogene) Information und Agency-Probleme (allgemein)
  • Unterinvestitionsproblem und Überinvestitionsproblem
  • Empire Building und Free Cash Flow-Theorie
  • Kapitalstrukturtheorien (insbesondere Irrelevanz der Kapitalstruktur = Modigliani/Miller-Theorem, Tradeoff-Theorie der Kapitalstruktur, Pecking-Order-Theorie der Kapitalstruktur)
  • Theorien der optimalen Dividendenpolitik (insbesondere Irrelevanz der Dividendenpolitik = Modigliani/Miller-Theorem, Einfluss von Steuern auf die optimale Dividendenpolitik, Einfluss von Transaktionskosten auf die optimale Dividendenpolitik, Einfluss von asymmetrischer Information auf die Dividendenpolitik, z. B. Signalisieren durch Dividenden bei Steuernachteil für Dividenden = Modell von Bhattacharya)
  • Motive für Aktienrückkäufe

Die Beherrschung und das Verständnis der oben angeführten Inhalte ist eine wesentliche Voraussetzung für das Nachvollziehen der Stoffinhalte in der Lehrveranstaltung. Es wird davon ausgegangen, dass alle Studierenden diese Stoffinhalte in Grundzügen beherrschen. Es wird daher dringend empfohlen, vor Beginn der Lehrveranstaltung die oben angeführten Inhalte aus dem Bachelor-Studium bzw. aus den bisherigen Lehrveranstaltungen im Master-Studium "Finanzwirtschaft und Rechnungswesen" zu wiederholen.

Sonstiges

Literatur:

A) Kursmaterialien (verfügbar kurz vor Beginn der Lehrveranstaltung auf Learn@WU):

1) Foliensammlung zu "Behavioral Corporate Finance"
2) Beispiele und Fallstudien zu "Behavioral Corporate Finance"
3) Zusatzmaterialien zu "Behavioral Corporate Finance": Empirische Evidenz – Wie treffen Finanzmanager betriebliche Finanzentscheidungen?

B) Literatur zur Wiederholung der benötigten Grundlagen aus der Standard Corporate Finance:

  • Swoboda (1994): Betriebliche Finanzierung, 3. Auflage, Physica, Heidelberg.
  • Welch (2009): Corporate Finance - An Introduction, Pearson International Edition, Boston.
  • Brealey/Myers/Allen (2011): Principles of Corporate Finance, 10. Auflage (oder eine andere Auflage), McGraw-Hill/Irwin, Boston.

Detailinformationen zu einzelnen Lehrveranstaltungseinheiten

Einheit Datum Inhalte
1

Überblick über Inhalte und Zielsetzung der Lehrveranstaltung, Definitionen, grundlegende Konzepte der verhaltensorientierten Ökonomie ("Behavioral Economics") und der verhaltensorientierten Finanzwirtschaft ("Behavioral Finance"): Verlustaversion – Teil 1

2

Grundlegende Konzepte der verhaltensorientierten Ökonomie ("Behavioral Economics") und der verhaltensorientierten Finanzwirtschaft ("Behavioral Finance"): Verlustaversion – Teil 2, Hedonic Editing, Overconfidence, fundamentaler Wert vs. Preis von Wertpapieren, irrationale Übertreibungen am Kapitalmarkt, übermäßige Volatilität, "short-term momentum" und "long-term mean reversion", Grenzen der Arbitrage

3

Einleitung - Behavioral Corporate Finance, Irrationale Investoren (und rationale Manager): Zielsetzungen der rationalen Manager bei irrationalen Investoren

4

Irrationale Investoren (und rationale Manager): Investitionspolitik, Kapitalstruktur, Börsengänge (IPOs)

5

Irrationale Investoren (und rationale Manager): Dividendenpolitik, Aktienrückkäufe

6

Irrationale Manager (und rationale Investoren): Investitionspolitik, Kapitalstruktur

7

Irrationale Manager (und rationale Investoren): Börsengänge, Dividendenpolitik, Aktienrückkäufe, Wertvernichtung durch Agency-Probleme vs. Wertvernichtung durch behaviorale Probleme, Zusammenfassung

8

Abschlussklausur

Zuletzt bearbeitet: 31.05.2019



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