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Remote Take-Home-Exam

Ein Remote Take-Home-Exam ist eine Prüfung, die in einem knappen Zeitrahmen, aber zeitlich und örtlich ungebunden durchgeführt wird. Studierende bearbeiten dabei eine oder mehrere komplexe Prüfungsaufgaben. Anders als bei einer Online-Prüfung arbeiten die Studierenden nicht unbedingt zur gleichen Zeit an den Aufgaben. Anders als bei Hausaufgaben ist der für die Beantwortung vorgesehene Zeitrahmen knapp begrenzt (in etwa 6-48 Stunden für eine zweistündige Prüfung).

Zeitrahmen, in dem die Prüfung absolviert werden kann Knapp begrenzt (ungefähr 6-48 Stunden für eine 2-stündige Prüfung)
Bearbeitungsdauer der Prüfung < Zeitrahmen
Gruppengröße bis etwa 60 Teilnehmer*innen
Aufgabenstellungen
  • Komplexe Aufgabenstellungen mit mehreren möglichen individuellen Lösungen
  • Nicht geeignet zur Überprüfung von Faktenwissen, Definitionen etc.
Vorteile
  • Einfluss technischer Schwierigkeiten (z.B. Probleme mit der Internetverbindung) kann durch den Zeitrahmen minimiert werden
  • Studierende können die Prüfung zu einem selbst gewählten Zeitraum absolvieren >> weniger Probleme mit Betreuungspflichten
Herausforderungen
  • Absprachen unter Studierenden bei der Prüfungsbearbeitung möglich
  • Vergleichsweise aufwändige Korrektur der Abgaben (offene Fragen)

Warum empfiehlt die WU nach Möglichkeit auf Remote Take-Home-Exams umzusteigen?

Wir möchten Ihnen nahelegen, in der aktuellen Situation vermehrt auf Remote Take-Home-Exams umzustellen. Dafür gibt es die folgenden Gründe:

  • Flexibler Zeitrahmen: Remote Take-Home-Exams können von den Studierenden in einem flexiblen Zeitrahmen absolviert werden. Da nicht alle Studierenden gleichzeitig online sein müssen, minimieren Sie technische Probleme, die durch eine schlechte Internetverbindung in der Prüfungssituation entstehen. Da die Studierenden ohnehin nur ein oder mehrere Files hochladen müssen, wird keine große Bandbreite benötigt. Die Flexibilität kommt auch Studierenden mit Betreuungspflichten entgegen. Remote Take-Home-Exams erlauben außerdem eine einfache Anpassung der Arbeitszeit für Studierende mit Beeinträchtigungen.
  • Einfache technische Lösung: Remote Take-Home-Exams können auf der Lernplattform schnell und einfach angelegt werden und Sie können dort auch die Abgaben der Studierenden sammeln und auf Plagiate überprüfen lassen. Im Vergleich zu schriftlichen Prüfungen auf MyLEARN ist der Aufwand des Anlegens der Prüfung geringer und auch die Studierenden benötigen weniger Hilfestellungen.
  • In der aktuellen Situation handelt es sich bei allen schriftlichen Prüfungen um unbeaufsichtigte Prüfungen. Um Schummeln bestmöglich zu unterbinden, empfiehlt es sich komplexe Aufgabenstellungen zu entwickeln, die individuelle Lösungen der Studierenden erfordern. In Kombination mit einem knappen Zeitrahmen, der auch die Möglichkeit des Austauschs unter den Studierenden einschränkt, können solche Aufgaben sehr gut mit einem Remote Take-Home Exam überprüft werden.

Wofür eignet sich ein Remote Take-Home-Exam?

Mit Hilfe von Remote Take-Home-Exams kann überprüft werden, ob Studierende anwenden, analysieren, argumentieren oder bewerten können. Zur Überprüfung dieser Kompetenzen ist es weniger relevant, ob die Studierenden Materialien zum Nachschlagen nutzen.

Faktenwissen sollte in einem Remote Take-Home-Exam nicht abgefragt werden, da dieses leicht nachgeschlagen oder „ergoogelt“ werden kann.

In welchem Zeitraum bearbeiten die Studierenden ein Remote Take-Home-Exam?

Abzuwägen ist bei der Zeitplanung, wie groß bei der betreffenden Aufgabe die Gefahr des Schummelns ist. Je individueller die geforderte Antwort auf die Aufgabenstellung, umso länger kann der Zeitraum der Bearbeitung sein (weil der Nutzen des Austauschs mit anderen Studierenden dann geringer ist).

Wir empfehlen die Prüfung so zu planen, dass sie von den Studierenden im für das Präsenzsetting vorgesehenen Zeitraum (z.B. 2 Stunden) gut absolviert werden könnte. Den Zeitrahmen, in dem die Prüfung absolviert werden kann, sollten Sie je nach Aufgabentyp anpassen:

  • Wenn es sich um Aufgabenstellungen handelt, bei denen die Studierenden individuelle Lösungen vorlegen müssen (Essays, eigene Lösungsvorschläge etc.), ist es sinnvoll, den Zeitrahmen auf mind. 24 Stunden auszudehnen, um der aktuellen Situation Rechnung zu tragen (Betreuungspflichten, schlechte Internetverbindung etc.).
  • Wenn die Aufgaben offenen Fragen in einer Präsenzprüfung ähneln, bei denen die Studierenden zur Beantwortung von einem Austausch mit Kolleg*innen profitieren würden, sollte der Zeitrahmen kürzer gewählt werden, um Schummeln zu erschweren.
  • Für Aufgabenstellungen mit einer einzigen richtigen Lösung eignet sich eine Online-Prüfung auf MyLEARN besser, da dort alle Studierenden die Prüfung gleichzeitig absolvieren und dadurch der Austausch unter den Studierenden erschwert wird.

Welche Fragestellungen eignen sich für Remote Take-Home-Exam?

Da bei Remote Take-Home-Exams der Austausch mit anderen Studierenden nicht völlig ausgeschlossen werden kann und Unterlagen verwendet werden können, sollten Sie Fragen stellen, bei denen Studierende

  • erworbenes Wissen anwenden
  • Sachverhalte analysieren
  • Situationen vergleichen
  • Fakten bewerten oder
  • neue Lösungswege für Probleme entwickeln müssen.

Fragen, in denen Wissen reproduziert werden muss, sind in Remote Take-Home-Exams meist nicht zielführend. Wie Sie Prüfungsfragen so stellen können, dass sie höhere Lernzielebenen abfragen, können Sie in der Teaching & Learning Academy unter dem Punkt „Learning Outcomes formulieren“ nachlesen.

Aufgabenstellungen wie die folgenden können im Rahmen von Remote Take-Home-Exams gut behandelt werden. Je nachdem wie umfangreich die Aufgaben sind, können Remote Take-Home-Exams aus einer oder mehreren solchen Aufgaben bestehen:

  • Ein unrichtiges Statement unter Rückgriff auf Literatur richtigstellen
  • Eigene Beispiele zu bestimmten Konzepten / Sachverhalten finden
  • Ein bestimmtes Konzept auf eine konkrete Situation anwenden
  • Erklären, warum X ein Beispiel für den Prozess Y darstellt
  • Argumentieren, wie eine Policy für das Problem X aussehen müsste
  • Einen bestimmten Fall und mögliche Lösungen skizzieren und dabei argumentieren, warum der gewählte Lösungsweg der Beste ist.

Als Ausgangspunkte für die Fragestellungen können Sie zum Beispiel kurze Texte nutzen, die zusammengefasst und auf einen bestimmten Sachverhalt bezogen werden müssen. Fragestellungen zu betriebswirtschaftlichen Case Studies, konkrete juristische Fälle, Programmieraufgaben oder Übersetzungsaufgaben eignen sich ebenso.

Wie können Aufgabenstellungen gestaltet werden?

Aufgabenstellungen sollten ausführlich, eindeutig und verständlich formuliert werden.

Gerade wenn die Studierenden längere Antworten verfassen sollen (1-2 Seiten), ist es hilfreich bereits durch die Formulierung von Unterfragen eine minimale Struktur vorzugeben, wie es in den folgenden beiden Beispielen der Fall ist.

Beispiele

1) Oben ist ein einfaches Angebots- und Nachfragediagramm abgebildet. [Anm.: Abbildung nicht enthalten]

Handelt es sich hierbei entsprechend der Definition von M.S. Morgan um ein wirtschaftliches Modell?

  • Erläutern Sie zuerst anhand des Textes, wie Morgan ein wirtschaftliches Modell definiert.
  • Erörtern Sie anschließend in eigenen Worten, warum obiges Diagramm ein / kein Modell in Morgans Sinne darstellt.
  • 1 – 1,5 Seiten

2) Erläutern Sie ausführlich mithilfe der besprochenen Texte, inwiefern Recht als „law in action“ fungiert. Nehmen Sie sodann vor dem Hintergrund dieser Erläuterung selbst und kritisch Stellung dazu, ob Selbstjustiz eine wirksame und rechtsstaatlich akzeptable Alternative zum rechtlich organisierten Erzwingungsverfahren bieten kann. (ca. 3 Seiten)

Quelle: https://www.uni-erfurt.de/fileadmin/user-docs/Institutionenoekonomie/Fritzsch_Excel/Nachklausur_Aufgabenstellung.pdf

In beiden Beispielen müssen die Studierenden auf der Grundlage besprochener Literatur einen Sachverhalt bewerten. 

  • Je kürzer der Zeitrahmen für die Bearbeitung ist, umso ausführlicher müssen die Studierenden den Text in Vorbereitung auf die Prüfung bearbeitet haben. In einem kurzen Zeitrahmen ähneln die Beispiele offenen Fragen in einer Klausur.  
  • Wenn ein längerer Zeitrahmen gewählt wird, haben die Studierenden Zeit, den Text innerhalb der Prüfungszeit zu lesen und durchzuarbeiten. Dann haben die Beispiele eher Hausübungscharakter.  

Wie kann Schummeln vorgebeugt werden?

  • Zeitrahmen einschränken: Je kürzer der Zeitrahmen, in dem die Aufgaben gelöst werden müssen, umso weniger Zeit bleibt für die Studierenden, sich mit anderen auszutauschen. Wenn Sie also nicht möchten, dass die Studierenden diese Möglichkeit ausgiebig nutzen, dann sollten Sie einen eher kürzeren Zeitrahmen wählen. Wenn die Möglichkeit des Austauschs (fast) völlig unterbunden werden soll, empfiehlt es sich, eine Prüfung zu einem fixierten Termin auf MyLEARN anzulegen.
  • Komplexe Aufgabenstellungen: Minimieren Sie das Risiko, dass Studierende Antworten voneinander kopieren, indem Sie den Fokus auf das Argumentieren einer bestimmten Position legen und Antworten in eigenen Worten formuliert werden müssen. Komplexe Fragen, die Vergleiche von mehreren Sachverhalten erfordern, sind zum Beispiel nur schwer zu „ergoogeln“.
  • Plagiatscheck nutzen: Nutzen Sie unbedingt den Plagiatscheck bei der Abgabe auf MyLEARN und kündigen Sie den Studierenden an, dass dabei alle Studierendenabgaben miteinander verglichen werden und gleiche Textteile daher erkannt werden (zur Aktivierung des Plagiatschecks siehe MyLEARN-Guide unter der Überschrift „Studierendenabgaben). Weisen Sie die Studierenden außerdem vorab auf die Folgen von Plagiaten hin (siehe Plagiatsrichtlinie), die für Distanzlehre gleichermaßen gelten.
    Bedenken Sie bitte, dass der Plagiatscheck besonders bei Aufgaben, die individuelle Lösungen erfordern, sinnvoll ist. Die Prozentzahl allein ist nicht ausschlaggebend dafür, ob ein Plagiat vorliegt oder abgeschrieben wurde. Sie ist als Hilfestellung zu betrachten und erfordert Interpretation durch die / den Lehrende*n.
  • Prüfungserklärung einfordern: Appellieren Sie an die Ehrlichkeit der Studierenden in dieser besonderen Situation. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Studierenden vorab eine „Prüfungserklärung“ unterzeichnen zu lassen. Eine Vorlage dafür können Sie HIER  downloaden. Die Prüfungserklärung steht im Word-Format zur Verfügung, damit Sie etwaige Besonderheiten Ihres Remote Take-Home-Exams im Text anpassen können (erlaubte Unterlagen, Einzel- oder Gruppenprüfung). Zur Unterschrift der Prüfungserklärung gibt es zwei Möglichkeiten:
    • Die Studierenden laden das Dokument unterschrieben bei der Abgabe ihrer Prüfung hoch (als Foto oder Scan oder mit elektronisch eingefügter Unterschrift). Dies empfiehlt sich bei Prüfungen mit wenigen Teilnehmer*innen.
    • Sie stellen die Prüfungserklärung als Aufgabe in der Prüfungsumgebung zur Verfügung, sodass die Studierenden vor der Abgabe die entsprechenden Kästchen anhaken können. Wenn Sie diese Form nutzen möchten, melden Sie das bitte an distanzlehre@wu.ac.at mit Angabe von Namen, LV-Nummer und des Links zur Lv-Umgebung.
  • Abgabegespräch durchführen: Eine Möglichkeit für kleinere Lehrveranstaltungen ist die Kombination mit einem kurzen Gespräch nach der Abgabe. Dabei können Sie stichprobenartig überprüfen, ob die Studierenden die Prüfung alleine bearbeitet haben.

Wo kann ich die Arbeiten der Studierenden sammeln?

Es empfiehlt sich für Remote Take-Home-Exams, die Abgabe in einem „offenen Arbeitsauftrag“ auf MyLEARN zu nutzen, weil Ihnen dies ermöglicht, die Arbeiten einem Plagiatscheck zu unterziehen.

Dazu gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Legen Sie dazu in Ihrer Lehrveranstaltung auf MyLEARN einen offenen Arbeitsauftrag an, den Sie als Aufgabe definieren. Dadurch erscheint der Arbeitsauftrag in der To-Do-Liste der Studierenden.
  2. Sobald die Studierenden ihre Dateien hochgeladen haben, können Sie bei den Studierendenabgaben den Plagiatscheck auslösen.

Wie kann die Korrektur vereinfacht werden?

Ein Problem beim Abprüfen von Lernzielen höherer Ordnung ist, dass dies am besten mit offenen Fragen gelingt – was vor allem für größere Gruppen zu erheblichem Korrekturaufwand führt. Die Anfertigung einer Musterlösung oder von Rubrics hilft den Aufwand zu minimieren. Falls die Prüfung von mehreren Personen korrigiert wird, kann dadurch außerdem die Subjektivität reduziert werden. 

Welche Informationen benötigen die Studierenden?

Geben Sie Ihre Erwartungen vorab bekannt – Remote Take-Home-Exams sind auch für die Studierenden neu, daher ist es hilfreich, wenn Sie möglichst viel vorwegnehmen.

  • Welchen Umfang sollen die Antworten haben? (Anzahl der Wörter festlegen)
  • Wann und wo muss das Exam abgegeben werden?
  • In welcher Form erwarten Sie Literaturbelege in den Antworten?
  • Dürfen sich die Studierenden absprechen?
  • Sollen Unterlagen verwendet werden? Wenn ja, welche?