Das Learning Ergonomics Modell

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Mit Learning Ergonomics bietet die WU einen Rahmen, um wissenschaftliche Erkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen, wie zum Beispiel der Sportwissenschaft, Ernährungswissenschaft, Medizin, Psychologie, aber auch aus der Ergonomie für das Lernen nutzbar zu machen. Ziel ist es das Lernen der Studierenden effektiv zu unterstützen. Dafür wurde ein Modell entwickelt, welches vier Dimensionen beinhaltet, die sowohl von den Lernenden selbst als auch von der Institution beeinflussbar sind.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus unterschiedlichen Bereichen werden dabei in vier Dimensionen zusammengefasst: Körper, Geist, Raum und Zeit. Alle im Modell enthaltenen Dimensionen zeigen einen empirisch nachgewiesenen Einfluss auf die Lerneffektivität, sowie die Zufriedenheit und das Wohlbefinden des Lernenden, wobei die empirischen Beweise aus unterschiedlichen Disziplinen stammen.

Das Modell Learning Ergonomics konzentriert sich auf die unmittelbare Umgebung der Lernenden und hat das Ziel die Lerneffektivität, die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Lernenden zu verbessern. Die Dimensionen sind dabei einerseits von den Lernenden selbst direkt beeinflussbar und andererseits von der Institution direkt oder indirekt beeinflussbar. Räumliche und zeitliche Faktoren haben einen direkten Einfluss auf die Lernenden und können daher von der Institution gesteuert werden. Die Dimensionen Geist und Körper sind hingegen nur direkt vom Lernenden selbst beeinflussbar. Hier kann die Institution den Lernenden allerdings unterschiedliche Angebote zu Verfügung zu stellen.

 

Abbildung: Vettori, Warm, Weiß, Vassileva (2018)

 

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse werden  in folgende vier Dimensionen zusammengefasst:

 

  • Körper (direkter Einfluss auf die Lernenden; direkt beeinflussbar von den Lernenden; indirekter beeinflussbar von der Institution):

Zu dieser Kategorie zählen Schlaf,  Bewegung und Ernährung. Ausreichend Schlaf spielt beispielsweise eine Rolle bei der Abspeicherung der Informationen. Studien belegen, dass Gelerntes besser behalten wird, wenn man ausreichend schläft (z.B. Curcio, Ferrara, & Gennaro, 2006). Ausdauersport führt zu besserer Konzentration und ausgewogene Ernährung hat ebenfalls einen positiven Effekt auf das Lernen, wie zahlreiche Studien belegen (z.B. Winter et al., 2007/ Dani, Burrill, & Demmig‐Adams, 2005). Die meisten Universitäten fokussieren im Zusammenhang mit dem Lernen allerdings weniger auf körperliche Faktoren, um die Lerneffektivität zu steigern - wahrscheinlich, weil diese nur indirekt beeinflussbar sind.

 

  • Geist (direkter Einfluss auf die Lernenden; direkt beeinflussbar von den Lernenden; indirekter beeinflussbar von der Institution):  

Hierzu zählt zum Beispiel die Entspannung: Wie neuere Studien zeigen konnten, trägt tägliches Achtsamkeitstraining (z.B. Meditation) bereits nach einem kurzen Zeitraum von zwei Wochen dazu bei, dass Lernende sich eher auf eine Aufgabe konzentrieren können und sich nicht so leicht ablenken lassen (Mrazek, Franklin, Phillips, Baird, & Schooler, 2013).

 

  • Zeit (direkter Einfluss auf die Lernenden, direkt beeinflussbar durch die Institution)

Zeitliche Faktoren, wie die Tageszeit zu der gelernt wird oder die Dauer einzelner Lerneinheiten können von der Institution direkt gesteuert werden.  Nicht nur die Zeiten, zu denen die Lehrveranstaltungen stattfinden, sondern auch die Tageszeit zu der gelernt wird, kann die Lernergebnisse beeinflussen. Zeit und Rhythmus des Unterrichts sind für die Hochschule einfach zu beeinflussende Faktoren. Es gibt Hinweise darauf, dass Blockkurse zu besseren Noten und motivierteren Studierenden führen (Metzger & Haag, 2013). Darüber hinaus führt ein sorgfältig geplanter Workload der Studierenden über das gesamte Semester hinweg zu weniger Stress und erhöht die Selbstlernzeit sowie die Zufriedenheit der Studierenden (Groß & Aufenanger, 2011).

 

  • Raum (direkter Einfluss auf die Lernenden, direkt beeinflussbar durch die Institution)

Zu dieser Kategorie zählt die Gestaltung der Lernumgebung: Eine hohe Lichtintensität (z.B. Tageslicht) steigert beispielsweise die Aufmerksamkeit und unterstützt damit das Lernen. Aber auch frische Luft und eine ergonomische Sitzposition verbessern die Konzentration. Außerdem wirkt sich die Architektur von Gebäuden sowie die Gestaltung von Unterrichtsräumen und Lernräumen auf das Lernen aus. Gut ausgestattete Bibliotheken, Gruppenarbeitsräume mit Tageslicht und verstellbaren Möbeln, sowie Nischen, die von Studierenden vor und nach dem Unterricht genutzt werden können, tragen zum Wohlbefinden und der Zufriedenheit der Studierenden bei (Report of the Scottish Funding Council).

 

Umsetzung der Initiative

Die WU startete im Mai 2018 mit der Initiative „Learning Ergonomics“ und bietet rund um die Lernwoche unterschiedliche Angebote an, die Studierende dabei unterstützen sollen ihr Lernen effektiver zu gestalten. Dazu zählen in erster Linie ein Newsletter mit Anregungen rund um das gesunde Lernen und Studieren, ein kostenloses Bewegungsprogramm in der Bibliothek (zur effektiven Nutzung der Lernpausen) und eine Sammlung an Tipps und Anregungen zu effektivem Lernen.

 

 

 Das Paper zum Konzept hier herrunterladen und nachlesen:

Vettori, O., Warm, J., Weiß, C., Vassileva, M. (2018). Learning Ergonomics – a practice-oriented framework for enhancing learning effectiveness and learner wellbeing. Paper at EAIR 2018. PDF

 

Quellen:

Curcio, G., Ferrara, M., & Gennaro, L. de. (2006). Sleep loss, learning capacity and academic performance. Sleep medicine reviews, 10(5), 323–337. https://doi.org/10.1016/j.smrv.2005.11.001

Dani, J., Burrill, C., & Demmig‐Adams, B. (2005). The remarkable role of nutrition in learning and behaviour. Nutrition & Food Science, 35(4), 258–263. https://doi.org/10.1108/00346650510605658

Groß, L., & Aufenanger, S. (2011). Wie wirken didaktische Elemente der Hochschullehre auf die zeitliche Gestaltung des Studiums? Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 6(2). https://doi.org/10.3217/zfhe-6-02/11

Metzger, C., & Haag, J. (2013). „Ich könnte nie wieder zu einem ‚normalen‘ Stundenplan zurück!“. Commentarii informaticae didacticae : (CID). (5), 67–78.

Mrazek, M. D., Franklin, M. S., Phillips, D. T., Baird, B., & Schooler, J. W. (2013). Mindfulness training improves working memory capacity and GRE performance while reducing mind wandering. Psychological science, 24(5), 776–781. https://doi.org/10.1177/0956797612459659

Scottish Funding Council. Spaces for Learning: A review of learning spaces in further and higher education. Retrieved from http://aleximarmot.com/userfiles/file/Spaces%20for%20learning.pdf

Winter, B., Breitenstein, C., Mooren, F. C., Voelker, K., Fobker, M., Lechtermann, A., Knecht, S. (2007). High impact running improves learning. Neurobiology of learning and memory, 87(4), 597–609. https://doi.org/10.1016/j.nlm.2006.11.003

Vettori, O., Warm, J., Weiß, C., Vassileva, M. (2018). Learning Ergonomics – a practice-oriented framework for enhancing learning effectiveness and learner wellbeing. Proposal accepted for EAIR 2018.