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Teachers Talk - Harald Groß

In dieser Ausgabe des FNL-Newsletters wollen wir Ihnen Harald Groß – Dipl.-Soz.Päd. (FH) und Weiterbildungs-Manager (TU) –  aus Berlin vorstellen, der seit vielen Jahren an der WU Didaktik-Workshops im Rahmen der Internen Weiterbildung leitet, ebenso wie an vielen weiteren Universitäten im deutschsprachigen Raum. Lern-, Lehr- und Moderationstechniken sind seine Leidenschaft, die Entwicklung immer neuer Methoden sein Vergnügen. Zu lesen ist dies zum Beispiel in seinen Methodenbüchern „Munterrichtsmethoden“, „Munterbrechungen“ und „Von Kopf bis Fuß auf Lernen eingestellt“ sowie in diesem Interview.

     

Was macht für Sie gute Lehre aus? 

„Gute Lehre“ löst Lernen aus: Es wird sichtbar, dass Studierende tatsächlich lernen, indem sie sich aktiv mit dem Gegenstand auseinander setzen, das Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachten, auch einmal irritiert sind und nicht nur zuhören, sondern auch üben, anwenden und übertragen auf andere Fallsituationen oder in die Praxis.

Was würden Sie Lehrenden raten, die gerade erst zu lehren beginnen?

Gebt euren Studierenden Gelegenheiten, in denen sie spüren können, dass sie vorankommen (im Thema und in ihrer Kompetenz). Wie funktioniert das? Durch viele kleine Übungen anstelle von wenigen großen Übungen. Große Übungen können, wenn sie nicht funktionieren oder unklar ist, worauf es ankommt, Frustration auslösen. Besser sind kleine Übungen, wo die Teilnehmer/innen schon nach wenigen Minuten merken, dass sie vorankommen und sich das Lernen lohnt. Wichtig ist dabei, dass die Übungen zwar klein, aber nicht trivial sind – ein Bild dazu wäre eine Treppe, die man mit kleinen Schritten, aber stetig hinaufsteigt. Positives Feedback („Lob“) von Lehrenden ist wichtig, aber das Erleben des eigenen Könnens wirkt viel direkter.

Was waren Ihre wichtigsten Key-Learnings oder AHA-Erlebnisse?

Einer der entscheidenden Hebel für Lernerfolg in einer Lehrveranstaltung liegt in der Frage, wie gut die Lernenden zu Beginn an ihre Kenntnisse und Erfahrungen anknüpfen können. Lernen heißt ja immer, Vorhandenes und Neues zu verknüpfen und das gelingt leichter, wenn das Vorhandene am Anfang wachgerufen und aktiviert wird.

Ich habe an mir selbst beobachtet, dass ich früher zu input-lastig war (im Gedanken, dass dadurch mein Kompetenzwert steigt). Jetzt gebe ich den Studierenden in Kleingruppen eine kurze Aufgabe zu Beginn: „Was kennt ihr schon zu unserem heutigen Thema?“. Die Ergebnisse werden mit einigen Sätzen im Plenum vorgestellt. Die Vorteile: Die Teilnehmer/innen und ich selbst erfahren, welches Vorwissen schon vorhanden ist, was Zeit spart, und wir lernen miteinander, d.h. es gibt nicht den Experten und die Zuhörer/innen, sondern „alle haben etwas zu bieten“. Die Studierenden werden dadurch von Beginn an aktiv und bleiben dann auch im weiteren Verlauf aktiv dabei.

Für mich hat dieser Beginn auch den Vorteil, dass jede/r Einzelne sichtbar wird, d.h. ich kann die Studierenden als Personen mit ihren Erfahrungen ansprechen und einbeziehen. Seither halte ich auch mehr Ausschau nach Talenten und Fähigkeiten im Raum und bin offener dafür geworden, in Kontakt zu kommen und herauszufinden, worin die Teilnehmer/innen gut sind. Wenn wir das herein holen, wird das Lernen persönlicher und menschlicher, insgesamt lebendiger. Lernen ist ja auch immer eine soziale Sache, ein Miteinander, ein Sich-Einbringen – dadurch lernen die Beteiligten nicht nur von mir als Vortragendem sondern auch voneinander. Außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie es auch zeigen, wenn sie an einer Stelle hängen oder irritiert sind. Und nicht zu vergessen: Ich als Lehrender kann sowohl zwischendurch durchatmen als auch selbst mitlernen.

Welchen abschließenden Gedanken würden Sie WU-Lehrenden gerne mitgeben?

„Sorge gut für dich!“ Wenn du gut unterrichten, ausbilden, prüfen willst, bist du die erste Person, für die du gut sorgen musst. In den didaktischen Ausbildungen für Lehrende frage ich daher immer: Wie sorgt ihr gut für euch – vor der Lehrveranstaltung, währenddessen und danach? Oft sind es ganz einfache (und sehr unterschiedliche) Strategien, die viel Kraft geben für einen anspruchsvollen Beruf.