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Scholarship of Teaching and Learning

Lernstile im Spanischunterricht an der WU

Pilar Pérez Cañizares vom Institut für Romanische Sprachen hat im Rahmen ihres SoTL Projekts untersucht, welche Lernstile die Spanisch-Lerner*innen an der WU aufweisen. Die Studie wurde in dem spanischen Journal „Revista Espanola de Linguistica Applicada“ veröffentlicht. Zu welchen Ergebnissen sie in ihrem Projekt kommt, lesen Sie in diesem Beitrag.

Die Studie wurde 2018 mit Unterstützung der SoTL Förderung durchgeführt und ist im Dezember 2021 im Revista Espanola de Linguistica Applicada / Spanish Journal of Applied Linguistics erschienen. Ziel war es einerseits unter den Studierenden das Bewusstsein dafür zu schaffen, welchem Lernstil sie selbst angehören und ihnen Hilfestellungen für die Weiterentwicklung dieses Lernstils zu bieten. Andererseits sollten die Ergebnisse auch genutzt werden, um die Lehrenden hinsichtlich didaktischer Anpassungen zu sensibilisieren und Lehrmaterialien zu optimieren.

Um dies zu erreichen, wurde ein bewährter Fragebogen (CHAEA – Cuestionario Honey-Alonso de Estilos de Aprendizaje) ins Deutsche übersetzt und zwischen Oktober und Dezember 2018 an 744 Studierende verschickt, von denen 198, d.h. 26,6 %, an der Befragung teilnahmen. Zusätzlich wurden sie aufgefordert, eine intuitive Selbsteinschätzung des eigenen Lernstils vorzunehmen.  

Als Lernstile werden in der Forschung jene kognitiven, affektiven und physiologischen Charakteristika bezeichnet, die als relativ stabile Indikatoren dafür gelten, wie Lernende ihre Lernumgebung wahrnehmen und darin interagieren. Im Modell von Honey&Mumford (1986, 1994) werden dabei vier Lernstiltypen unterschieden: Der aktive Stil ist geprägt von der bewussten Suche nach neuen Erfahrungen, während sich der reflexive Stil durch einen durchdachten Ansatz auszeichnet. Der theoretische Stil ist durch ein logisches Herangehen an Probleme charakterisiert und der pragmatische Stil durch ein Ausprobieren und die Anwendung von Ideen.

Auch wenn es Autor*innen gibt (cf. Kirschner 2017), die die Existenz von Lernstilen gänzlich negieren, argumentieren Pérez Cañizares et al., dass die eingesetzten Instrumente jedenfalls geeignet sind, um Lehrenden und Lernenden bewusst zu machen, dass Lernen gelernt werden kann und sollte und, dass die Kenntnis über den eigenen Lernstil ein Schritt auf dem Weg zum selbstständigen Lernen sein kann.

In der Studie zeigte sich, dass die Studierenden bevorzugt zwei entgegengesetzten Profilen zuzuordnen sind, die jeweils zwei Stile kombinieren: Einerseits dem reflexiv-theoretischen, anderseits dem aktiv-pragmatischen. Diese Dichotomie ist insofern interessant, als sie den Ergebnissen aus anderen Studien entgegensteht, in denen auch die Kombinationen reflexiv-pragmatisch und theoretisch-pragmatisch auftreten.

Ein Drittel der Studierenden wurde aufgrund der Erhebung demnach entweder dem reflexiven, dem theoretischen Stil oder einer Kombination der beiden zugeordnet. Diese Studierenden teilen ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und danach, Situationen zu analysieren. Sie melden sich nur zu Wort, wenn sie gut vorbereitet sind.

Die zweitgrößte Gruppe waren in der Studie jene Studierenden mit einer Präferenz für den pragmatischen Stil, den aktiven Stil oder eine Kombination der beiden. Ihre Lernpräferenzen sind jenen der ersten Gruppe diametral entgegengestellt. Sie melden sich auch in einer größeren Gruppe spontan zu Wort und präferieren Aktivitäten wie Rollenspiele oder kleine Dialoge. 

Aus Sicht der Lehrenden sind diese Ergebnisse hilfreich, um Entscheidungen hinsichtlich der Wahl geeigneter Lernmaterialien sowie Lehrdesigns zu treffen. Zudem wird Bewusstsein dafür geschaffen, welche Aktivitäten möglicherweise für eine der beiden Gruppen eine besondere Herausforderung darstellen und dementsprechend Hilfestellungen anzubieten.

Literatur

Honey, P., Mumford, A. (1994). The Manual of Learning Styles. Revised version. Maidenhead: Peter Honey.

Kirschner, P. A. (2017). Stop propagating the learning styles myth. Computers & Education, 106, 166–171. https://doi.org/10.1016/j.compedu.2016.12.006