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Teachers Talk

Andreas Novy

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ao.Univ.Prof. Doz. Dr. Andreas Novy ist Professor am Department Sozioökonomie und leitet das Institute for Multi-Level Governance and Development (MLGD) an der WU. 2019 war er gemeinsam mit seinem Team mit dem Assessment-Konzept der Lehrveranstaltung „Zukunftsfähiges Wirtschaften“ Preisträger der „Innovativen Lehre“ sowie 2020 auf der Shortlist des Ars Docendi.  In der Jänner-Ausgabe gibt er uns Einblicke in die Umsetzung dieses Konzepts und verrät, was ihm an der Lehre besonders Spaß macht.

Was macht für Sie gute Lehre aus?

Gute Lehre fördert komplexe Denkprozesse, die über die reine Vermittlung von Wissen hinausgehen. Sie regt deshalb mit verschiedenen Formaten an, Probleme zu verstehen, Zielkonflikte zu identifizieren, Wissen anzuwenden, Alternativen zu bewerten und, gegebenenfalls, auch neues Wissen zu erzeugen. Ein Beispiel: Zu welchen Zielkonflikten führt die Klimakrise? Wie kann man für den Umgang mit solch komplexen Situationen Problemlösungskompetenz erwerben? Gelingt es einer Lehrperson, die Neugier der Studierenden zu wecken, sich diese und andere Kompetenzen anzueignen, sind ideale Voraussetzungen geschaffen. Dann braucht es in einem zweiten Schritt nur noch geeignete Lehr- und Lerndesigns sowie Methoden für die verschiedenen Gruppengrößen, damit Studierende diese Kompetenzen auch wirklich üben können.

Sie haben 2019 Ihr Konzept für die „Innovative Lehre“ mit dem Schwerpunkt „Innovative Assessmentformen“ eingereicht. Könnten Sie die Idee dafür kurz skizzieren?

Damals ging es insbesondere um die Umsetzung einer Idee, die mittlerweile zu einem Leitprinzip in unserer Lehrveranstaltungsgestaltung geworden ist: Die Studierenden üben und lernen das, was in der Prüfung verlangt wird. Ist es auswendig lernen, lernen sie, um am Tag der Prüfung ihr Wissen abzurufen. Das war für mich ein neuer Gedanke, da ich früher fast ausschließlich in Lehrveranstaltungen mit maximal 30 Studierenden unterrichtet habe, in denen es um mehr als bloße Wissensreproduktion ging. In „Zukunftsfähigem Wirtschaften“, einer Lehrveranstaltung im CBK (Common Body of Knowledge) am Anfang des Bachelorstudiums, unterrichte ich in einem vollen Audimax. Dialog ist schwer, die Verführung zum Monologisieren groß. Den Lehrpreis haben mein Team und ich damals für die Umsetzung innovativer Formen des Prüfens erhalten, die die Aufmerksamkeit auf das Üben und den Erwerb vieler Kompetenzen, die über die Wiedergabe von Wissen hinausgehen, legen.

Was waren die Herausforderungen bei der Umsetzung und wie haben Sie sie gelöst?

Die Ausgangslage war, dass wir eine inhaltlich anspruchsvolle und abwechslungsreiche Ringvorlesung hatten, in der verschiedene Lehrende unseres Departments aktuelle Problemfelder wie Ungleichheit und Krise der Demokratie vorstellten und Lösungen, seien es wirtschaftspolitische Instrumente oder Corporate Social Responsibility-Strategien, präsentierten. Jedoch war die Vorlesung schwach besucht, da Multiple-Choice Fragen aus früheren Prüfungen bekannt waren und die Studierenden hauptsächlich diese Fragen auswendig lernten. Wir setzten an zwei Hebeln an: Zum einen begannen wir, grundlegend andere Fragen zu stellen und legten auch keine Musterklausuren vor, um die eigenständigen Wissensaneignung der Studierenden anzuregen. Zum anderen diversifizierten wir die Prüfungsformen. Neben dem Multiple-Choice Test prüften wir auch regelmäßig am Beginn der Lehrveranstaltung und vergaben während der Vorlesung Bonuspunkte. Damit mussten die Studierenden den Stoff dreimal üben: beim Quiz, bei den Übungen, und bei der Prüfung am Ende der Lehrveranstaltung. Diese Formate zielen allesamt darauf ab, neben Erinnern auch komplexere Lernprozesse wie Verstehen, Analysieren und Bewerten zu üben.

Welche Bedeutung hat ein Lehrpreis für Sie als Lehrender?

Über Auszeichnungen für gute Lehre freue ich mich persönlich, weil es eine Anerkennung für teilweise doch großen Aufwand ist. Ich habe aber diverse Auszeichnungen immer zusammen mit den jeweiligen Tutor*innen entgegengenommen, da derart anspruchsvolle Umgestaltungen in Großlehrveranstaltungen nur im Team möglich sind. Die Lehrpreise, die ich erhielt, sind demnach auch immer eine Auszeichnung für ein Team und für eine dialogorientierte Form des Unterrichtens.

Was macht Ihnen besonders Spaß an der Lehre?

Studierende am Beginn des Studiums für ein Thema wie Zukunftsfähiges Wirtschaften zu begeistern, motiviert an sich. Wir organisieren die Lehrveranstaltung so, dass unsere Inhalte immer aktuell sind – das macht den Studierenden und uns mehr Spaß. Mir ist wichtig, Studierende zu befähigen, in der aktuellen Umbruchszeit verantwortungsbewusst zu handeln, indem ich ihnen die Möglichkeit eröffne, unser Wirtschaftssystem mit seinen Stärken und Schwächen besser zu verstehen, sowie zu erkennen, wie zentral Wirtschaften für Politik und Gesellschaft, aber auch für unseren Alltag ist.

Besonderen Spaß macht mir, ständig neue Methoden und Formate zu entwickeln, um den Stoff mit unterschiedlichen didaktischen Mitteln zu präsentieren, wie z. B. anhand von neuen Texte, Videos oder interaktiven Websites. Das ist auch notwendig, denn – wie schon gesagt – Wiederholungen verleiten die Studierende, Lösungen aus vergangenen Semestern einfach abzuschreiben.

Haben Sie Tipps für eine gelungene Lehrveranstaltung, die Sie an interessierte Kolleg*innen weitergeben können?

Der wichtigste Tipp ist vermutlich, einen Stoff zu unterrichten, der einem selber Spaß macht und den man für relevant hält. Am allerbesten ist vermutlich, wie dies Kollege Müller-Camen praktiziert, dass Lehre und Forschung verbunden werden. So habe ich vor kurzem einen wissenschaftlichen Artikel über das Globalisierungstrilemma von Dani Rodrik publiziert, in dem ich viel aus den Rückmeldungen der Studierenden zu diesem Trilemma aufgegriffen habe und auf diese Weise Rodriks Trilemma weiterentwickeln konnte.