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Teachers Talk

Anett Hermann

Dipl.-Kff. Dr. Anett Hermann ist Universitätsassistentin post doc am Institut für Gender und Diversität an der WU, ausgebildete systemische Coach und frisch prämierte Lehrpreisträgerin. In der Juni-Ausgabe gibt sie Einblicke in ihr Lehrkonzept, welches mit der „Innovativen Lehre“ zum Schwerpunkt Internationales Lehren und Lernen“ ausgezeichnet wurde. Zudem verrät sie, was sie in der Lehre gerne einmal ausprobieren möchte.

Was zeichnet Ihre Lehre aus?

Zum einen ist es die klare Vorstellung über das Ziel der Lehrveranstaltung und den damit verbundenen Bildungsauftrag. Als Lehrende habe ich hohe Erwartungen an die Studierenden, gleichzeitig aber auch sehr viel Vertrauen in sie und ihre Arbeit. Das bedeutet, dass ich einen hohen Grad an Selbstbestimmtheit bei der inhaltlichen Umsetzung zur Erreichung der Ziele ermögliche. Zum anderen ist das Interesse an den Studierenden und ihren Arbeiten sowie ihren Kompetenzen wichtig. Wir beschäftigen uns am Institut intensiv mit der Thematik „Inklusive Lehre“ und wissen, dass es notwendig ist, Lehr- und Lernbedingungen zu schaffen, um die Inklusion aller Studierenden in die Universität zu ermöglichen. Ein weiterer Punkt ist die Reflexion der eigenen Methoden, aber auch des eigenen Verhaltens und des eigenen Wissens. Als Lehrende sehe ich mich selbst immer auch als Lernende.

Ihr kürzlich mit dem Lehrpreis für Innovative Lehre ausgezeichnetes Konzept beinhaltet u.a. universitätsübergreifende, virtuelle Gruppenarbeiten. Welche Erfahrungen haben Sie bisher in der Umsetzung gemacht?

In dem prämierten Konzept arbeiteten unsere SBWL-Studierenden gemeinsam mit finnischen und deutschen Studierenden an Biografien über Wissenschaftlerinnen, wie Hilma Granquist, deren Leistung im Laufe der Zeit oft vergessen wurde („(In)visible Women in Social Science“).

Wissen über diverse Teamarbeit und Willen zur Zusammenarbeit ist notwendig, damit die Studierenden Strategien für ihre gemeinsame Arbeit entwickeln. Es gibt ganz verschiedene Formen des Erkenntnisgewinns, Lernens und Lehrens sowie differente Formen von Bildungsbarrieren. Diese kontextuelle Vielfalt verbunden mit kultureller Vielfalt ermöglicht es in der studentischen Teamarbeit über bekannte Ansätze und Lösungsmuster hinauszudenken. Wir erweitern sozusagen unseren Fokus und bauen gleichzeitig Stereotype und Vorurteile ab. Die aktive Anwendung des Wissens über Gender- und Diversitätstheorien auf der inhaltlichen Seite, und die Bewusstheit über die Herausforderungen in der Zusammenarbeit in diversen Teams hat es den WU Studierenden ermöglicht, nicht nur inhaltlich zu sehr guten Ergebnissen zu kommen, sondern gleichzeitig praktisches Wissen über gruppendynamische Aspekte zu sammeln.

Was würden Sie in der Lehre gerne einmal ausprobieren?

Basierend auf dem oben vorgestellten Konzept, möchte ich diese inhaltliche Idee gern weiter auf den Nicht-Europäischen (nicht-westlichen) Raum ausweiten und bin auch schon in der Planung dazu. Interessant wäre also dieses „Ausprobieren“ in Kontexten, die uns nicht ganz so vertraut sind und zwar nicht nur digital, sondern auch vor Ort.

Die SBWL-Studierenden trafen sich im Rahmen einer Summerschool hier an der WU. Die Unterschiede zum digitalen Lernen waren sehr interessant zu beobachten.  Eine weitere Idee zum Ausprobieren ist die Umsetzung von diverser Teamarbeit in Form von Online-Planspielen, ähnlich den digitalen Unternehmensplanspielen in den PFO-Seminaren. Studierende haben sehr viel Wissen und Erfahrungen im digitalen Raum und lassen sich durch diese Form des Lernens begeistern. Diese Erfahrungen aktiv in die Lehrveranstaltungen einzuarbeiten ist ein Ansatzpunkt, um Wissen interessant zu vermitteln.

Haben Sie Tipps für eine gelungene Lehrveranstaltung, die Sie an interessierte Kolleg*innen weitergeben können?

Ich denke, dass Wichtigste ist Vertrauen in die Studierenden und ihre Kompetenzen zu haben, einen großen Handlungsspielraum bei der Umsetzung von Projekten zu ermöglichen und vor allem alle Studierende einzubinden, d.h., sich intensiv mit dem Thema Inklusion in der Lehre zu beschäftigen. Weiterhin müssen das Ziel und der Zweck der Lehrveranstaltung deutlich werden, also weshalb sich Studierende mit bestimmten Themen auseinandersetzen sollen und was sie persönlich daraus lernen. Weiterhin ist der konsequente Austausch mit Kolleg*innen notwendig, um neue Ideen zu generieren. Im Rahmen des Lehrprojektes sind mir diese Aspekte noch einmal besonders bewusst geworden und welches Privileg es ist, an der WU lehren zu dürfen.