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Teachers Talk - Dr. Christof Miska

 

In unserer dritten Ausgabe erfahren wir von Dr. Christof Miska vom Institute for International Business mehr über seine Lehrerfahrung und über ein ganz bestimmtes LV-Design, welches er bereits erfolgreich eingesetzt hat: Er gewann mit seinem Seminar „Global Stakeholder Management and Corporate Responsibility“ nicht nur den Preis für die Innovative Lehre 2016, sondern schaffte es mit diesem LV-Design auch auf die Shortlist des „Ars Docendi“, dem österreichischen Staatspreis für exzellente Lehre.

     

Was zeichnet Ihre Lehre aus?
Für mich ist es wichtig, meinen Studierenden die Möglichkeit zu geben, unterschiedliche Lernerfahrungen zu machen und diese zu reflektieren. Da jeder von uns anders lernt und Lernerfahrungen anders definiert, versuche ich immer die drei Dimensionen kognitives, affektives und psychomotorisches bzw. verhaltensorientiertes Lernen abzudecken. Während das kognitiv-orientierte Lernen eher auf dem klassischen Lernen im Sinne von Fachwissen- und Faktenerwerb basiert, fördere ich bei affektiv- und verhaltensorientiertem Lernen Einstellungen, Haltungen und die für die jeweilige LV relevanten Kompetenzen. Dabei besteht die Herausforderung in der Regel immer darin, Zeit und Ressourcen an die Rahmenbedingungen der verschiedenen LVs anzupassen. So kann es vorkommen, dass ich in einer LV eine computerbasierte Stakeholder-Simulation mit den Studierenden mache, in einer anderen dagegen eine Stakeholder-Simulation auf Basis eines Rollenspiels. Insgesamt versuche ich aber immer, im Rahmen des Möglichen alle drei Lerndimensionen abzudecken.

Welche Elemente Ihres Konzepts konnte die Jury beim Ars Docendi Ihrer Meinung nach besonders überzeugen, um es bis auf die Shortlist zu schaffen?
Die vergleichsweise eher ungewöhnlichen LV-Elemente und hier vor allem der Kreativitätsaspekt, wie zum Beispiel das Erstellen von Collagen, der Museumsbesuch im mumok oder die ungewöhnlichen Reflexionspräsentationen der Studierenden, haben sicherlich eine gewisse Aufmerksamkeit auf sich gezogen. 

Was würden Sie Kolleg/inn/en raten, die gerade erst zu lehren beginnen, haben Sie Tipps für diese Kolleg/inn/en?
Auf jeden Fall sollte man authentisch und sich selbst treu bleiben, das ist aus meiner Sicht das Wichtigste. Aus didaktischer Sicht würde ich anraten, ein Kennenlernen zwischen Studierenden und Lehrenden zu ermöglichen. Meiner Erfahrung nach ist es für die Studierenden durchaus wichtig zu erfahren, wer der/die Lehrende ist, welche Forschungsinteressen und Forschungsschwerpunkte er/sie hat und was ihn/sie motiviert, ein bestimmtes Fach zu unterrichten.

Was hat Ihnen selbst in Ihrer Lehr-Karriere am meisten weiter geholfen?
Sicherlich, dass ich von den Verantwortlichen immer die Freiheit bekommen habe, inhaltlich und didaktisch trotz gewisser Risiken vieles ausprobieren zu dürfen. Unterschiedliche Lehrformen umzusetzen, hatte nicht nur einen großen Lerneffekt für mich selbst, sondern stärkt gerade am Beginn der Lehrkarriere die eigene Sicherheit im Umgang mit unterschiedlichen didaktischen Methoden und in der Arbeit mit Studierenden, besonders dann, wenn neu ausprobierte Lehrmethoden gut funktionieren und Studierende zusätzlich motivieren.

Was würden Sie in der Lehre gerne einmal ausprobieren?
Ich würde gerne internationales Service Learning – sprich gesellschaftliches Engagement mit fachlichem Lernen verbunden – im ganz großen Stil ausprobieren, also etwa mit einer Gruppe Studierender in Länder wie Kenia, Vietnam oder Brasilien reisen, wo die Studierenden im Rahmen einer LV an sozialen Projekten arbeiten. Ich denke dabei nicht nur an Projekte, die ich inhaltlich an Themen wie Verantwortung und Nachhaltigkeit knüpfen könnte. Die Forschung hat gezeigt, dass derartige Erfahrungen viele Kompetenzen und Fähigkeiten wie kulturelle Intelligenz, Global Mindset oder Selbst- und Community-Entwicklung fördern. Im kleinen Rahmen setzen wir derartige Projekte in unseren bestehenden LVs immer wieder um.

Welchen abschließenden Gedanken würden Sie den WU-Lehrenden gerne mitgeben?
Hören Sie nie auf, Neues auszuprobieren, sondern gehen Sie das Risiko ein, Altes, gut Bewährtes trotzdem weiterzuentwickeln und zu verändern. Die Studierenden wissen dies und den Zeitaufwand, der hinter Veränderungen steckt, sehr zu schätzen.