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2.5 Readings

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Studierenden Texte, die sie lesen sollten, in Wahrheit gar nicht oder nur passiv lesen? Hier finden Sie einige Anregungen, wie Sie das aktive Lesen fördern können.

Readings sind alle Formen von Texten, die Studierende begleitend oder ergänzend lesen (sollen), um ein Thema zu verstehen bzw. auszuarbeiten, z. B. Kapitel aus Lehrbüchern, Zeitschriften und Zeitungsartikel, Studien, Online- Artikel etc.

Readings können Sie einsetzen:

  • Zur Förderung von sinnerfassendem Lesen
  • Für Verständnis von und Umgang mit wissenschaftlichen Texten
  • Für ein besseres Verständnis von Zusammenhängen
  • Zur Vorbereitung auf schriftliche Leistungen
  • Zur Förderung von Argumentations- und Reflexionsfähigkeit

Zunächst einmal ist eine Literaturliste mit Angaben zu relevanten Werken, Zeitschriftenartikeln, Kapiteln aus Lehrbüchern, die das Thema der Lehrveranstaltung behandeln, sicherlich sinnvoll. Ohne zusätzliche Angaben oder verknüpfte Aufgaben werden Studierende diese Literatur jedoch nur selten aktiv lesen. Daher finden Sie unter dem nächsten Punkt „Aufgaben, mit denen Sie Readings verknüpfen können“ einige Strategien, wie Sie Studierende zum aktiven und kritischen Lesen anregen können.

Bedenken Sie beim Einsatz von Readings auf alle Fälle, dass Sie…

1. Die Relevanz der ausgewählten Literatur erläutern

"Lesen Sie bis zur nächsten Einheit diesen Artikel" - mit diesem Satz erreichen Sie oft nur einen Bruchteil der Studierenden. Für Studierende ist es hilfreich zu wissen, warum Sie gerade ein bestimmtes Werk oder einen bestimmten Artikel ausgewählt haben - noch bevor sie überhaupt mit dem Lesen beginnen. Begründen Sie daher bereits im Vorfeld, welche Relevanz die ausgewählte Literatur für das Verständnis eines Themas hat, auf welche Aspekte Studierende beim Lesen besonders achten sollen und was Sie generell vom Lesen des Textes erwarten (z. B. Vor- und Nachteile identifizieren können, einen allgemeinen Überblick über ein Thema bekommen, unterschiedliche Perspektiven kennen lernen, ...).

2. Guidelines zur Lesetechnik vorgeben

Gerade noch nicht so erfahrene Studierende profitieren von konkreten Tipps, wie sie an das Lesen eines Textes herangehen sollen. Bestimmt haben auch Sie eine Technik, die Sie beim Lesen eines Textes anwenden - lassen Sie Studierende ruhig an Ihren Erfahrungen teilhaben und motivieren Sie sie zum aktiven "Arbeiten" beim Lesen.

Hier eine kleine Auswahl an hilfreichen Tipps:

  • Markieren Sie neue, unbekannte Begriffe und schlagen Sie diese nach
  • Machen Sie eine Liste der Schlüsselbegriffe und -konzepte, die im Text vorkommen
  • Machen Sie Randnotizen, eventuell mit eigenen Codes (Rufzeichen, Pfeile etc.)
  • Unterstreichen Sie erst beim zweiten Mal Lesen die wichtigsten Textpassagen mit einem Leuchtmarker (man tendiert dazu, zu viel zu markieren)
     

Eine bewahrte Lesetechnik, die Sie mit Ihren Studierenden zu Beginn gemeinsam durchnehmen können, ist die SQ3R-Methode, die von Francis P. Robinson entwickelt wurde (1946).

Um Kommentare und offene Fragen von Studierenden zu sammeln, können Sie ein Annotationstool im Web verwenden, wie z. B. Google Docs. So können verschiedene Personen einen Artikel im Web annotieren (wichtige Dinge highlighten, Kommentare und Fragen hinzufügen). In der Lehrveranstaltung können Sie die annotierte Webseite aufrufen, alle erstellten Notizen sehen und diese zur gemeinsamen Diskussion heranziehen.

Bereitstellung:

  • Information zur Literatur im Syllabus Ihrer Lehrveranstaltung
  • Digital verfügbare Texte (PDFs, Word etc.) und Weblinks in Ihrer Lehrveranstaltung in MyLEARN

Aufgaben, mit denen Sie Readings verknüpfen können

Sie können das Lesen von Texten mit verschiedensten Aufgaben bzw. Teilleistungen verknüpfen und damit die Auseinandersetzung mit diesen fördern. Gut kombinierbare Aufgaben sind z. B. Response Paper, Summary, Buch- oder Artikelrezension, Literature-Review oder Literaturanalyse, Rechercheaufgaben.

Unterhalb finden Sie noch einige andere Aufgaben, die Sie den Studierenden begleitend zur Literatur geben können:

Was und wofür? Sie können die Literaturliste auf wenige vorgegebene Werke reduzieren und Studierende anhalten, zusätzliche Werke selbst zu suchen und zu finden. Dadurch bekommt die Literaturliste einen individuellen Anstrich und Studierende müssen sich gleich zu Beginn mit dem Thema auseinandersetzen.
Wie? Reduzieren Sie die Literaturliste auf einige wenige essentielle Werke und leiten Sie die Studierenden zu einer ergänzenden Literaturrecherche an. Wenn Sie wollen, dass die Studierenden bestimmte Werke finden, geben Sie ihnen „Hints“ (Schlagwörter, Namen von Autor/innen…) zur Recherche.
Was und wofür? Wenn Studierende einen Text bis zur nächsten Einheit lesen sollen, ergänzen Sie den Text mit einigen anleitenden Fragen. Damit erleichtern Sie den Studierenden die Orientierung und regen sie an, bestimmte Aspekte genauer zu betrachten.
Wie? Überlegen Sie sich anleitende Fragen passend zu den Texten, die die Studierenden lesen sollen. Welche Aspekte im Text sind Ihnen besonders wichtig? Inwiefern könnten die Studierenden die Texte mit bereits Gelerntem verknüpfen? Zu Beginn der LV-Einheit können die Fragen herangezogen und diskutiert werden.
TIPP Stellen Sie nicht nur Fragen nach Fakten, die im Text gesucht und abgeschrieben werden können, sondern auch Fragen, die Studierende zum aktiven Nachdenken anregen. Anstelle von "Was sind die Kernelemente des Konzepts, das der Autor beschreibt?" könnten Sie fragen: "An welches Konzept erinnert das vom Autor beschriebene Konzept? Welche Parallelen können Sie zu anderen Konzepten ziehen?"
Was und wofür?

Texte, die von Studierenden während der Lehrveranstaltung (oder zu Hause) gelesen werden, können noch besser verankert werden, wenn Sie eine kleine Aufgabenstellung daran knüpfen. Ein One-Minute-Paper kann zu Beginn oder am Ende der LV-Einheit aufgegeben werden.

Durch diese Methode erhalten Sie Feedback der Studierenden zu den gelesenen Texten in der Lehrveranstaltung und die Studierenden werden angeleitet, über Ihre Leseerfahrungen und -erkenntnisse zu reflektieren.

Wie?

Stellen Sie den Studierenden zwei bis drei offene Fragen zu dem gelesenen Text (z. B. "Was war die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dem gelesenen Text mitnehme?"). Die Studierenden verfassen in wenigen Sätzen Antworten, die Sie noch in der LV-Einheit einsammeln. Zusätzlich können Sie die Studierenden auch eine eigene Frage formulieren lassen, die z. B. offen geblieben ist.

Was und wofür? 

Inhaltliche Fragen zur Literatur machen deutlich, wer einen Text gelesen hat und wer nicht. Doch v. a. sollen diese kleinen Quiz Studierende motivieren, sich auch tatsächlich mit der Literatur zu befassen (um die Motivation zu erhöhen, können Sie auch erwägen, Mitarbeitspunkte bei richtigen Antworten zu vergeben).

Mit Hilfe von kleinen Quiz erhalten Sie also rasch einen Einblick, was Studierende verstanden haben und wo es Verständnislücken gibt. Auch generelles Feedback, z. B. wie aufschlussreich oder anspruchsvoll ein Text war, können Sie dadurch einholen.

Wie?        Stellen Sie z. B. zu Beginn Ihrer LV-Einheit ein paar inhaltliche Fragen zu einem Text, den die Studierenden gelesen haben sollten. Bei mehreren oder komplexeren Fragen, die nicht ohne weiteres per Handzeichen oder Aufrufen behandelt werden können, bzw. für einen objektiveren Überblick, eignen sich auch technische Abstimmungssysteme oder Kreuzworträtsel (vgl. Tools für Umfragen und Quiz). Eine Möglichkeit zur Erstellung finden Sie hier (externer Link).
Was und wofür? Eine gute Möglichkeit, Studierende zur reflektierten Auseinandersetzung mit gelesenen Texten anzuhalten, ist das Festhalten von Eindrücken, offenen Fragen und Erfahrungen mit dem Gelesenem in einem sogenannten Lerntagebuch.
Wie? Erklären Sie den Studierenden, wie das Reading-Tagebuch funktioniert und inwiefern es den Lernprozess fördern kann. Teilen Sie ihnen mit, dass das Reading-Tagebuch die vollständige Bibliographie des Textes, eine Zusammenfassung des Gelesenen und eine kritische Reflexion enthalten soll. Die Studierenden können ein solches Tagebuch z. B. im Wiki in MyLEARN umsetzen.

Quellen:

Ritter-Mamczek, B., 50 didaktische Methoden. Für jede Veranstaltung, Düsseldorf: Splendid Akademie GbR 2013.

Robinson, F. P., Effective Study, New York: Harper & Brothers 1946.

S.n., "One Minute Paper", in: Methodenkartei der Uni Oldenburg, hrsg. v. Uni Oldenburg, https://www.methodenkartei.uni-oldenburg.de/uni_methode/one-minute-paper/, 18.09.2019.



Empfohlene Zitierweise:
Readings, Teaching & Learning Academy, Wirtschaftsuniversität Wien, https://learn.wu.ac.at/open/tlac/readings, November 2019.


Dieser Text ist lizenziert unter Creative Commons
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