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6.1 Assignments beurteilen und summatives Feedback

In einer summativen Beurteilung wird ein abschließendes und zusammenfassendes Urteil über alle in einer Lehrveranstaltung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten gezogen. Beurteilungen sind für Studierende daher Indikatoren über ihren Kompetenzerwerb. 
Beurteilungen abzugeben sind damit verantwortungsvolle und nicht immer ganz einfach zu vollziehende Prozesse für Sie als Lehrperson. Trotzdem sollten sich Beurteilungen ausschließlich auf die Leistung eines/einer Studierenden beziehen und Kriterien geleitet entlang von Learning Outcomes erfolgen.

Beurteilungsfehler: Fallstricke aus der Praxis

Eine Liste von möglichen Beurteilungsfehlern, die sich einschleichen können und Anregungen um diesen entgegenzuwirken, finden Sie in Abb. 1 bis 3 und in den Tipps darunter.

Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3

Tipps um Beurteilungsfehlern entgegenzuwirken:

  • Einige Prüfungen je Prüfungsaufgabe vorab durchlesen – erst dann korrigieren
    -> Erhöht die Objektivität
  • Aufgabenbezogene statt prüflingsbezogene Korrektur
    -> Höhere Objektivität
    -> Musterlösung wird besser im Kopf behalten
  • Mischen der Klausuren vor jedem Beurteilungsdurchgang
    -> Verringert Kontrasteffekt, Beharrlichkeitstendenz, Reihungseffekt (siehe auch Abb. 1)
  • Pausen machen
  • Gesamtpunktzahl erst am Ende berechnen
    -> Höhere Objektivität

Bezugsnormen und Beurteilungsmethoden

Im nachfolgenden Abschnitt werden unterschiedliche Möglichkeiten dargestellt, wie Sie an Beurteilungsprozesse herangehen können, damit Ihre Beurteilung möglichst fair und präzise erfolgt und Sie sich nicht von Wahrnehmungseffekten überrumpeln lassen. Sie finden hier daher sowohl Informationen zu den Bezugsnormen (=Maßstab anhand dessen eine Leistung beurteilt wird), als auch zu den möglichen Beurteilungsmethoden (Beurteilungskriterien, Rubrics, Musterlösungen).

Die Bezugsnorm beschreibt den Maßstab, anhand dessen eine Leistung beurteilt wird. Dabei werden drei Arten der Bezugsnorm unterschieden: 

Individuelle Bezugsnorm

Die individuelle Bezugsnorm (auch ipsative  oder personenbezogene Bezugsnorm genannt) findet ihre Anwendung, wenn eine Studierendenleistung im Vergleich zu einer früheren Leistung des/der selben Studierenden beurteilt wird. Die Leistung wird daher am persönlichen Leistungsstand gemessen und ermöglicht die Förderung jede/s/r einzelnen Studierenden ohne seine/ihre Leistung mit anderen Studierenden zu vergleichen.

Beispiel: Ein/e Studierende/r hält zwei Präsentationen mit zeitlichem Abstand und es werden die Präsentationsskills bewertet (die Leistungen beider Präsentationen werden miteinander verglichen).

Vorteile

  • Lernerzentrierte Herangehensweise an Beurteilungen
  • Die individuellen Lernzuwächse werden beurteilt und es kann eine individuelle Förderung erfolgen
  • Feedback kann seinen Nutzen voll entfalten, weil die individuelle Kompetenzentwicklung Schritt für Schritt verfolgt wird
  • Besonders für schwächere Studierende kann ein ipsativer Vergleich motivierend sein

Nachteile

  • Unfairness-Empfinden von stärkeren Studierenden, deren Leistungssprünge wahrscheinlich nicht so groß sein können wie bei schwächeren Studierenden, und die daher weniger große Chancen auf sehr gute Noten haben
  • Für Lehrende zeitaufwändig
  • Keine gängige Praxis im Universitätssystem; am ehesten realisiert in Portfolio-Ansätzen
Soziale Bezugsnorm

Die soziale Bezugsnorm setzt eine Studierendenleistung zu anderen Studierendenleistungen in Beziehung. Die Leistungen einer Lerngruppe werden daher verglichen. Die Anwendung der sozialen Bezugsnorm resultiert im "Grading on a Curve".

Beispiel: Eine Studierendengruppe hält eine gemeinsame Präsentation. Sie bewerten jeden Präsentationsabschnitt einzeln und im Vergleich zur Leistung der anderen Studierenden.

Vorteile 

  • Das Anwenden der sozialen Bezugsnorm erlaubt es, die Leistungen von Studierenden untereinander zu vergleichen
  • Die soziale Bezugsnorm gibt keine Leistungsniveaus vor. Beurteilungen bewegen sich ausschließlich innerhalb dessen, was eine Gruppe von Studierenden tatsächlich leisten konnte

Nachteile

  • Beurteilungen nach der sozialen Bezugsnorm zeigen auf, wo Leistungen Studierender sich im Vergleich zu ihren Peers befinden und nicht, wo sie sich im Verhältnis zu spezifischen Lernzielen (z. B. einer Lehrveranstaltung) befinden
  • Die Beurteilung von Studierenden wird in Abhängigkeit der auftretenden Leistungen in der Gesamtgruppe festgelegt. Die Note eines/einer Studierenden hängt also von den Leistungen der Studienkolleg/inn/en ab
  • Gruppen, die ein unterschiedliches Leistungslevel aufweisen, erreichen bei Anwendung dieser Bezugsnorm die gleiche Notenverteilung. Es kann also passieren, dass schwächere Leistungen mit denselben Noten versehen werden wie stärkere Leistungen in einer anderen Vergleichsgruppe, in der das Gesamtniveau höher ist
  • Bei der Erteilung eines Arbeitsauftrages können den Studierenden keine objektiven Beurteilungskriterien mitgeteilt werden
  • Ergibt sich eine Gesamtbeurteilung aus mehreren Teilleistungen innerhalb einer Lehrveranstaltung, können Studierende eine Beurteilung der Teilleistungen erst am Ende der Lehrveranstaltung erhalten
  • Leistungsbeurteilungen, die mit der sozialen Bezugsnormen operieren, können keine Aussage darüber treffen, ob sich ein/e Studierende/r im Vergleich zu Vorleistungen verbessert/verschlechtert hat
Kriteriale Bezugsnorm

Bei der kriterialen Bezugsnorm werden Studierendenleistungen anhand festgelegter Beurteilungskriterien bewertet.

Beispiel: Der Lehrende bewertet die Präsentationsskills der Studierenden einzeln und nach einer vorbereiteten Rubric.

Vorteile

  • Die Beurteilungskriterien werden im Normalfall bei der Erstellung des Assessments entwickelt und können Studierenden daher bei der Erteilung des Arbeitsauftrages mitgeteilt werden
  • Leistungen werden unabhängig voneinander beurteilt. Es haben weder die Vorleistungen eines/einer Studierenden noch die Leistungen anderer Einfluss auf die Note eines/einer Studierenden
  • Studierende können eine Beurteilung im Sinne einer Note direkt nach der Korrektur der Leistung bekommen und erhalten Aufschluss darüber, ob und wie viele Beurteilungskriterien sie erfüllt haben

Nachteile

  • Leistungsbeurteilungen, die mit kriterialen Bezugsnormen operieren, können keine Aussage darüber treffen, ob sich ein/e Studierende/r im Vergleich zu Vorleistungen verbessert/ verschlechtert hat
  • Mit der Festlegung von Beurteilungskriterien legen Sie als Lehrende/r die Messlatte für Studierende an. Legen Sie Kriterien an, die zu leicht oder zu schwierig für die Gruppe sind, kann dies dazu führen, dass die Noten, die Leistungsüberprüfungen hervorbringen, ausschließlich sehr gut oder ausschließlich sehr schlecht ausfallen
TIPP Das Mischen unterschiedlicher Bezugsnormen bei verschiedenen Leistungsbeurteilungen innerhalb eines größeren Kontextes (einer Lehrveranstaltung, eines Studienzweigs etc.) führt dazu, dass die vergebenen Noten für einzelne Beurteilungen nicht verglichen werden können, da sie jeweils unterschiedliche Aussagen über eine Leistung treffen. Eine Mischung von Bezugsnormen ist daher nicht ratsam und bedeutet für Studierende zumindest, dass die Einordnung der eigenen Leistung im Vergleich zu anderen Leistungen nicht 1:1 möglich ist.

Weiterführendes

Die Bedeutung der Bezugsnormen (externer Link)

Svinivki, M./McKeachie, W.J., McKeachie's Teaching Tips: Strategies, Research, and Theory for College and University Teachers, Thirteenth Edition, Belmont, CA: Wadsworth, 2011

Was?

Beurteilungskriterien sind operationalisierte Kategorien von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die bei einer Leistungsbeurteilung demonstriert werden sollen. In der Beurteilung werden Leistungen anhand von Kriterien überprüft und reflektiert. Diese Kriterien sollten bereits vor einer Leistungsüberprüfung erstellt werden, um die Bewertungsmaßstäbe klar festzulegen. 

Kriterien für eine Leistungsbeurteilung sollten immer im Zusammenhang mit den Learning Outcomes Ihrer Lehrveranstaltung stehen. Zusätzlich können auch generalistischere Beurteilungskriterien eine Rolle spielen, z. B. jene, die sich auf die Learning Outcomes des gesamten Studiums beziehen.

Warum?
  • Vor einer Leistungsüberprüfung erstellte Beurteilungskriterien sind ein guter Weg, Studierenden deutlich zu machen, was sie im Rahmen einer Lehrveranstaltung lernen können
  • Sie unterstützen außerdem eine faire Beurteilungspraxis
  • Bei mehreren Lehrveranstaltungen mit gleichen Inhalten und Learning Goals (innerhalb eines Planpunktes), die aber von unterschiedlichen Lehrenden unterrichtet werden, dienen Beurteilungskriterien dazu, die Erwartungen unter den Lehrenden zu klären und ähnliche Beurteilungskriterien zu formulieren bzw. ähnliche Anforderungen zu haben (faire Beurteilungspraxis)
  • Die Offenlegung von Kriterien erleichtert die Betreuung und die Beurteilung und spart zudem Zeit
Wie?

Die folgenden Vorschläge dienen als Anregung, sich mit Beurteilungskriterien schon vorab auseinanderzusetzen:

  • Legen Sie Beurteilungskriterien schon im Vorfeld fest, idealerweise gleichzeitig mit der Erstellung eines Assignments 
    Beispiel: bei einer Prüfung bspw. im Rahmen der Erstellung von Musterlösungen
  • Bei geschlossenen Aufgaben und Kurzantwort-Aufgaben können Sie die Beurteilungskriterien meist schnell festlegen 
    Beispiel: Bei einer Prüfung z. B. das Kriterium angekreuzt/nicht angekreuzt oder für jeden richtig zugeordneten Begriff wird ein Punkt vergeben. 
  • Legen Sie bei komplexeren offenen Aufgaben mehrere voneinander unterscheidbare Kriterien fest, anhand derer Sie die Antwort beurteilen (analytische Beurteilung). 
    Beispiel: Eine offene Aufgabe oder Seminararbeit, die von Studierenden einen differenzierten Vergleich zweier Unternehmensmodelle verlangt, kann beurteilt werden hinsichtlich: Grad der Problemerfassung, Fähigkeit Zusammenhänge aufzuzeigen, Ausmaß an Lösungsorientiertheit 
  • Es ist auch möglich Kriterien mittels Rubrics festzulegen und aufzuschlüsseln

Um Beurteilungskriterien für eine Leistungsbeurteilung zu formulieren, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Learning Outcomes der LV heranziehen: Gehen Sie von den Learning Outcomes Ihrer Lehrveranstaltung aus, die in Ihrer gewählten Assessmentmethode auch überprüft werden können.
    Check:  Ist die Assignmentvariante eine geeignete Form, um die Learning Outcomes meiner LV zu überprüfen? Wenn ja, welche?
  • Beurteilungskriterien für das Assignment ableiten: Operationalisieren Sie alle auf die gewählte Assessmentmethode anwendbaren Learning Outcomes Ihrer Lehrveranstaltung, die Sie in dieser Leistungsbeurteilung bewerten wollen: 
    Check: Kann ich anhand der gewählten Kriterien beurteilen, ob Studierende bestimmte Learning Outcomes erreicht haben?

1. Beispiel:

2. Beispiel:

3. Beispiel:

TIPP

Eine Möglichkeit Beurteilungskriterien anzuwenden besteht darin, sogenannte Rubrics zu formulieren: Rubrics kombinieren Beurteilungskriterien mit Abstufungen der Erreichung dieser Kriterien. Nähere Informationen über die Erstellung und Anwendung von Rubrics finden Sie hier.
Um Kriterien offenzulegen, können Sie vielfältige und unterschiedliche Settings und Materialien nutzen: Von Sprechstundengesprächen und Seminarsitzungen über Leitfäden, "Fahrpläne" und Style Sheets bis hin zu Handouts und Kriterienkatalogen. 

Nähere Informationen über das "Formulieren von Learning Outcomes" finden Sie hier.

Weiterführendes

Präsentationen bewerten (Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen, Baden-Württemberg)

Beurteilungskriterien festlegen (Hochschuldidaktik der Ruhr-Universität Bochum)

Was?

Rubrics sind eine Möglichkeit Beurteilungskriterien zu formulieren und zu strukturieren. Konkret sind Rubrics daher Schemata, anhand derer eine Leistung (z. B. eine Abschlussarbeit, eine Präsentation) beurteilt werden kann. Dazu werden im Vorfeld Kriterien definiert, die für das Erreichen der definierten Ziele notwendig sind. Eine Rubric umfasst daher spezifische Erwartungen Ihrerseits hinsichtlich einer Leistung oder Aufgabe. Dabei werden alle Kriterien einer Aufgabe einzeln und detailliert beschrieben. Eine Rubric steht außerdem in Zusammenhang mit den Learning Outcomes und hilft daher sicherzustellen, dass die Beurteilung der Leistung auch mit den vorher formulierten Learning Outcomes in Zusammenhang steht.

Insgesamt betrachtet stellen Rubrics eine Orientierungshilfe für Sie als Beurteiler/in dar, wobei bereits im Vorfeld entschieden wird, welche Kriterien einer Leistung für die Beurteilung herangezogen werden. 

Wie?

In der Praxis werden oftmals allgemein gehaltene Rubrics, die zur Methode der Leistungsüberprüfung, zu dem Fach und dem Kontext passen, herangezogen und für den eigenen Zweck adaptiert.

Rubrics bestehen aus drei Elementen:

  1. Kriterien, anhand derer das Erreichen der definierten Ziele beurteilt werden kann (Bsp. siehe Abb. 4: Kriterium für eine Seminararbeit: Formales & Sprache)
  2. Unterschiedliche Niveaus, die die Studierenden erreichen können (Bsp. siehe Abb.4: Skala bei der 0-4 Punkte erreicht werden können)
  3. Eine Beschreibung für jedes Niveau, anhand dessen die studentische Leistung beurteilt werden kann (Bsp. siehe Abb. 4: Ausformulierung jeder Niveaustufe: Was muss in Bezug auf den Gesamtaufbau in der Seminararbeit vorhanden sein um 4, 3, 2, 1 oder 0 Punkte zu erhalten?)


Abb. 4: Ausschnitt einer Beispiel-Rubric für Seminararbeiten

(die Word-Vorlage zur vollständigen Beispiel-Rubric finden Sie hier )

Wie erstelle ich eine Rubric? 

1. Schritt: Identifizieren Sie die Beurteilungsdimensionen unter Berücksichtigung der Learning Outcomes, die Sie für die Lehrveranstaltung/Aufgabe/Planpunkt festgelegt haben. Legen Sie fest, welche Kriterien die jeweilige Dimension beschreiben. 

2. Schritt: Legen Sie die Beurteilungsskala fest: Beschreiben Sie die Niveaustufen und definieren Sie die Anzahl der Abstufungen in der Skala. Beispiel für eine vierstufige Skala: "übertrifft die Erwartungen", "trifft die Erwartungen", "trifft die Erwartungen teilweise“ oder "unter den Erwartungen liegend“.

3. Schritt: Beschreiben Sie nun für jedes Kriterium, wie die Leistung in jeder Niveaustufe auszusehen hat. Beschreiben Sie dabei detailliert, was der/die Studierende erfüllen muss, um auf dieser Niveaustufe eingestuft zu werden. In der Ausformulierung jeder Stufe kann die Bloom'sche Taxonomie (vgl. Learning Outcomes) hilfreich sein.

1. Beispiel

Abb. 5: Rubric einer vierstufigen Skala

2. Beispiel

Abb. 6: Ausschnitt Assessment Criteria for Bachelor's Theses, University of Oulu

TIPP Unter "Weiterführendes" finden Sie einige Bsp.-Sammlungen von Rubrics
Vorteile
  • Qualitätsverbesserung durch strukturiertes Feedback: Sie können in der Rubric die Beurteilungsstufe oder Punktzahl kennzeichnen, so dass Studierende die generelle Einschätzung ihrer Leistung zu den jeweiligen Kriterien ablesen können
  • Klare Beurteilungskriterien: Sie können sich bei der Adaption oder Erstellung einer Rubric Ihrer Kriterien für die Beurteilung der studentischen Leistung bewusst werden
  • Reduzierte Subjektivität: Sie können sich bei Arbeiten ihrer Studierenden an den gleichen Kriterien orientieren; auch Zweitkorrigierende können danach vorgehen
  • Transparente Anforderungen: Studierende kennen Ihre Anforderungen von Beginn an und sind dadurch motivierter, sie zu erfüllen
  • Präzises Feedback: Studierende erhalten auf einen Blick eine klare Einschätzung zu den Stärken und Schwächen ihrer Leistung
  • Verwendbar für Self-Assessment und Peer-Assessment: Studierende können anhand der Rubric ihre eigene Arbeit bereits im Vorfeld einschätzen oder von Peers eine Einschätzung anhand der Rubric erhalten
  • Verwendbar für unterschiedliche Methoden der Leistungsüberprüfung: Sie können Rubrics für Seminararbeiten, Essays, Posterpräsentationen, Einzel- und Gruppenpräsentationen, Gruppenarbeiten und anderes verwenden
Nachteile
  • Gesamtleistung vs. Teilleistung: Wenn Sie für die einzelnen Beurteilungsdimensionen Punkte vergeben, kann es vorkommen, dass die Beurteilung der einzelnen Dimensionen in Summe schlechter ausfällt als es die Gesamtleistung tatsächlich ist
  • Ausschließliche Betrachtung von Kriterien die in der Rubric dargelegt sind: Wie bei allen schematischen Darstellungen besteht die Gefahr, dass nur die Anforderungen bzw. Kriterien betrachtet werden, die auch in der Rubric angeführt sind. Dies erschwert es, Aspekte in der Beurteilung zu berücksichtigen, die nicht darin vorkommen
  • Fehlen konkreter Hinweise für die Studierenden: Anhand einer Rubric erhalten die Studierenden zwar eine allgemeine Einschätzung zu den Stärken und Schwächen ihrer Arbeit. Daraus allein wird jedoch noch nicht ersichtlich, was beispielhaft besonders gut oder verbesserungswürdig war. Durch den Einsatz anderer Feedbackmethoden können Sie Studierenden konkretere Anhaltspunkte liefern, die für künftige Arbeiten berücksichtigt werden können
  • Hoher Zeitaufwand bei Neuerstellung: Die eigenständige Erstellung von Rubrics ist mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden. Alternativ können Sie bestehende Rubrics verwenden und für Ihre Zwecke adaptieren
TIPP
  • Überlegen Sie sich auch die Gesamtleistung als Dimension zu beurteilen: "Gesamtleistung" oder "overall feedback" oder "Gesamtkoherenz"
  • Nutzen Sie die Onlineplattform IRubrics zur Erstellung Ihrer eigenen Rubric

Eine Umfangreiche Sammlungen von Rubrics als Anregung oder zum Adaptieren finden Sie hier:

1. Beispielrubric für Seminararbeiten "Beispiel Rubric für Seminararbeiten "

2. Beispielrubric für Studierende zur Selbsteinschätzung einer Seminararbeit: Rubric zur Selbsteinschätzung Seminararbeit 

3. Sammlung der Universität University of Wisconsin STOUT

4. Sammlung der University of New South Wales

5. Sammlung der University of Hawai

Was? Musterlösungen sind hilfreich, um bereits im Vorfeld festzuhalten, wie eine richtige Antwort auf eine offene Frage idealerweise aussieht. Halten Sie in einer Musterlösung alle von Ihnen verlangten Begriffe, Aspekte, Rechenlösungen etc. fest, um eine Basis für die spätere Beurteilung zu haben.
Wie?
  1. Skizzieren Sie alle in den Aufgaben verlangten Elemente, Begriffe, Rechenwege etc.
  2. Führen Sie an, wie die Aufgabe insgesamt bzw. Teilaufgaben bei der Beurteilung gewichtet werden.
  3. Erstellen Sie die Musterlösung erst einige Tage nach Fertigstellung der Prüfungsaufgabe. Durch die zeitliche Distanz werden Ihnen Ungereimtheiten in der Angabe bzw. Aufgabenstellung eher auffallen.
Vorteile
  • Korrekturlesen bzw. -rechnen: Eventuelle Ungereimtheiten und Konstruktionsmängel bzw. Schwierigkeiten fallen Ihnen beim Lösen der Aufgaben auf und können rechtzeitig behoben werden (z. B. unrealistische Zahlen, unzureichende Angaben, zu lange Bearbeitungszeit).
  • Musterlösungen geben Richtlinien für verschiedene Korrigierende vor: Indem Sie genaue Angaben über den erwarteten Inhalt und die Art und Weise der Bewertung festhalten, schaffen Sie die Basis dafür, dass alle korrigierenden Personen nach denselben Richtlinien vorgehen können.
  • Studierende korrigieren die Aufgaben: Musterlösungen können als Grundlage für Peer-Assessment oder Self-Assessment genutzt werden (siehe unten).
  • Arbeitsunterlage für Prüfungseinsichten: Bei der späteren Prüfungseinsicht können Sie die Musterlösung als Argumentationshilfe heranziehen, um Studierenden die Lösungsschritte und Zielvorstellungen transparent zu machen.

Instrumente zur Beurteilung von Self-Assessments und Peer-Assessments
Was? Ein Self-Assessment ermöglicht es den Studierenden anhand vordefinierter, objektiver Kriterien ihre eigene Leistung zu reflektieren und zu beurteilen. Self-Assessments haben meist einen formativen Charakter.
Wofür?

Diese Assessmentform kann zur Entwicklung und Beurteilung unterschiedlicher studentischer Fähigkeiten geeignet sein:  1.) die eigene Leistung anhand objektiver Kriterien zu bewerten, 2.) Verbesserungsmöglichkeiten für die eigene Arbeit zu erkennen. 3.) externes Feedback als Ausgangspunkt für die eigene Arbeit zu nutzen.

Self-Assessment fördert u. a. folgende Fähigkeiten der Studierenden:

  • Das eigene Lernen und die eigenen Fähigkeiten zu reflektieren und zu evaluieren
  • Sich kritisch mit der eigenen Arbeit auseinanderzusetzen
  • Die eigene Sichtweise zu thematisieren (und zu begründen)
  • Sachlich zu argumentieren und Arbeitsergebnis von eigener Person zu trennen
Wie?

Wie kann ein Self-Assessment angeleitet und durchgeführt werden? 

  • ​​​​​Legen Sie fest, wann und wofür Studierende eine Selbsteinschätzung vornehmen sollen
  • Geben Sie den Studierenden eine klare Aufgabenstellung für das Self-Assessment (z. B. anhand von Leitfragen zur Orientierung)
  • Self-Assessments sind für eine Vielzahl an Methoden der Leistungsüberprüfungen geeignet, insbesondere für schriftliche Ausarbeitungen, Präsentationen, Seminararbeiten sowie Gruppenarbeiten
Beispiele für Self-Assessment Varianten

Begleitendes Self-Assessment: Sie können Studierende dazu anhalten, während des Arbeitsprozesses (bspw. während dem Verfassen einer Seminararbeit) fortlaufend Positives, Schwierigkeiten, Ideen und offene Fragen festzuhalten und können dann begleitendes Feedback zu diesen Notizen geben. Überlegen Sie, wie und wann Sie auf das Self-Assessment Bezug nehmen (z. B. bei Coachingterminen, in einem schriftlichen Kommentar oder durch Peers). 

  • Vorteile: Der Erarbeitungsprozess kann für Studierende sichtbar gemacht werden; neue Ansätze und Lösungsalternativen können aus dem Feedback entstehen; der eigene Fortschritt wird für Studierende bei der Bearbeitung sichtbar
  • Beurteilung: das Feedback hilft den Studierenden ihre Leistung zu verbessern. Self-Assessment ist dabei kein Notenbestandteil

Abschließendes Self-Assessment: Lassen Sie die Studierenden anhand von Beurteilungskriterien oder von Leitfragen Ihre Leistung zum Abschluss selbst einschätzen. Legen Sie diese Einschätzungen als Bestandteil der Arbeit fest, jedoch nicht als Teil der Beurteilung (Note). Nehmen Sie auf die Selbsteinschätzung der Studierenden in Ihrem abschließenden Feedbackkommentar Bezug.

  • Vorteile: Anstoß für die Studierenden über die eigene Leistung zu reflektieren; Stärken und Schwächen der eigenen Leistung erkennen 
  • Beurteilung: Self-Assessment ist kein Notenbestandteil außer die Reflexions-und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Leistung ist Teil der Learning Outcomes

Beispiel für Leitfragen für das Self-Assessment einer Seminararbeit:

  • Was sind aus Ihrer Sicht die Stärken Ihrer Seminararbeit? 
  • Was könnten andere Personen an Ihrer Arbeit kritisieren? 
  • Was ist Ihnen während des Recherchierens und/ oder des Schreibens der Arbeit besonders leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten? Warum?
  • Was würden Sie gern an Ihrer Seminararbeit verändern? Warum?     
  • Was würden Sie bei der nächsten Seminararbeit anders machen? Warum? 
  • Was hat Ihnen beim Erarbeiten und Schreiben der Arbeit besonders geholfen? 
  • Welche Fragen hätten Sie gern zu Ihrer Seminararbeit noch beantwortet?

Selbsteinschätzung der Note aufgrund von Feedback: Eine weitere Möglichkeit ist es, dass Studierende zwar Feedback von Ihnen bekommen, jedoch ihre Note mit Hilfe des erhaltenen Feedbacks selbst einschätzen müssen. Die Beurteilung durch Sie wird erst später bekannt gegeben.

  • Vorteile: Förderung der Reflexionskompetenz bei den Studierenden (Reflexion und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Leistung)
  • Beurteilung: Self-Assessment ist kein Notenbestandteil außer die Reflexions-und kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Leistung ist Teil der Learning Outcomes

Weiterführendes

Überblick über Self-Assessment und die Einsatzmöglichkeiten 
(Learning and Teaching Unit, University of New South Wales)

Rubric für Studierende zur Selbsteinschätzung Seminararbeit 

Was?

Beim Peer-Assessment werden Rückmeldungen auf Leistungen nicht von Lehrenden an Lernende gegeben, sondern erfolgen ausschließlich unter Lernenden. Gegenseitiges Feedback anhand definierter Kriterien kann Studierenden zu unterschiedlichen Zeitpunkten vielfältige Perspektiven auf ihre eigene Arbeit eröffnen. Anderen Studierenden Feedback zu geben erfordert zugleich, sich auch mit der eigenen Arbeit kritisch auseinanderzusetzen. 

Peer-Assessments können formativen (Peer Feedback) oder summativen Charakter (Peer Grading) haben. 

Wofür?

Das Peer-Assessment lässt sich für nahezu alle studentischen Arbeiten einsetzen, z. B. Präsentationen, Essays, Assignments oder Berichte.

Peer-Assessment fördert u. a. folgende Fähigkeiten der Studierenden:

  • Das eigene Lernen und die eigenen Fähigkeiten zu reflektieren und zu evaluieren
  • Sich kritisch mit der eigenen Arbeit, der Arbeit anderer sowie dem Fachgebiet auseinanderzusetzen.
  • Konstruktiv Feedback zu geben und die eigene Sicht zu thematisieren und zu begründen.
  • Sachlich zu argumentieren und Arbeitsergebnis und Person zu trennen.
  • Die kritische Einschätzung anderer anzunehmen, einzuordnen und für die eigene Arbeit zu nutzen.
  • Soziale Dynamiken in Gruppen wahrzunehmen und einzuschätzen.
Vorteile
  • Perspektivenwechsel für die Studierenden: Akademische Beurteilungskriterien werden für Studierende nachvollziehbar, da sie sie selbst anwenden müssen.
  • Die Studierenden lernen qualifiziertes Feedback zu geben und Kritik zu formulieren. 
  • Möglichkeit komplexe Aufgaben in großen Gruppen beurteilen zu lassen.
Einsatzszenarien
  • Formativ oder summativ: Peer-Assessment kann sowohl ausschließlich als Feedbackmethode eingesetzt werden (formativ), als auch zur Benotung von Arbeiten (summativ, z. B.: Studierende können anhand von Rubrics Punkte vergeben)
  • Zu Beginn studentischer Arbeitsprozesse: Im Vorfeld einer Arbeit um z. B. Ideen für eine Themenstellung zu finden oder mögliche Herangehensweisen zu diskutieren (bspw. für eine Präsentation, eine Seminararbeit, eine Case-Study)
  • Während des studentischen Arbeitsprozesses: Insbesondere zur qualitativen Verbesserung der Arbeit und des Endergebnisses, z. B. um Hinweise auf inhaltliche Unstimmigkeiten und Lücken zu erhalten und Entscheidungen für Überarbeitungen zu treffen (bspw. bei Seminararbeiten)
  • Individuelles Feedback auch in größeren Gruppen: Bei Gruppengrößen, in denen individuelles Feedback an jede/n Studierende/n nur durch Sie als Lehrende/r kaum möglich ist, ist dies eine gute Alternative, Studierende trotzdem durch Feedback zu unterstützen und zur Qualität der weiteren Leistungen beizutragen (z. B bei schriftlichen Hausübungen, Essays…)
Wie?

Folgende Aspekte sind zu beachten, wenn Sie Peer-Assessment einsetzen möchten:

  • Erklären Sie den Studierenden, warum Sie das Peer-Assessment in die Leistungsüberprüfungen und das Feedback einbeziehen und wie sie davon profitieren
  • Stellen Sie sicher, dass es klare Kriterien und Standards zur Beurteilung durch die Studierenden gibt. Diese können entweder von Ihnen zur Verfügung gestellt werden oder Sie erarbeiten diese mit den Studierenden gemeinsam, wodurch u.a. das Verständnis für die Kriterien und das Gefühl der Verantwortlichkeit der Studierenden gesteigert werden kann
  • Peer-Assessment kann in den Gruppen zu heiklen sozialen Situationen führen. Gerade wenn Studierende neu an diese Methode herangeführt werden, kann es deshalb sinnvoll sein, den Prozess anonymisiert durchzuführen
  • Wichtig ist bei allen Formen, den Reviewer/inne/n klare Beurteilungskriterien vorzugeben bzw. eine detaillierte Checkliste zu formulieren

Das grundsätzliche Prinzip bei Peer-Assessment-Verfahren besteht darin, dass Studierende die Arbeiten ihrer Kommiliton/inn/en beurteilen. Variationsmöglichkeiten bestehen dabei in den folgenden Punkten:  

  • 1:1 Review: Zuordnung der Studierenden als dyadische Paarung: Die Studierenden korrigieren sich gegenseitig, als Autor/in und Gegenleser/in
  • 2-3 Reviewer: Zuteilung von 2-3 Reviewer/inne/n zu der Bewertung von einer Studierendenarbeit
  • Peer-Zirkel: Die Studierenden werden in Kleingruppen von 3-5 Personen eingeteilt, innerhalb einer Kleingruppe bewertet jede/r Studierende die Arbeit jede/r/s anderen Studierenden
  • Gruppen-Review: Innerhalb einer Gruppe wird gemeinsam etwas erarbeitet und das Endergebnis und die Zusammenarbeit von jedem Mitglied der Gruppe bewertet und kommentiert. TIPP: Hier kann auch der Prozess der Zusammenarbeit als Gruppe bewertet werden
  • Komitee Review: Ein Endergebnis eine/s/r Studierenden wird von unterschiedlichen Personen unabhängig voneinander bewertet. Je nach Gruppengrößer in einer Lehrveranstaltung können hier zuvor auch Kleingruppen gebildet werden
  • „Back-Feedback": Lassen Sie die Studierenden ihre Feedbackgeber/innen beurteilen und diesen Feedback geben. Dadurch können Sie das Engagement aller Beteiligten am Peer-Assessment und die Aufmerksamkeit der Feedbacknehmer/innen erhöhen: Studierende geben Feedback auf die Arbeit anderer Studierender, jedoch benoten sie diese nicht, stattdessen beurteilt jede/r Studierende ihren/seinen Feedbackgeber/in und dies fließt in die Note des/der Feedbackgebers/-geberin ein
  • Einbindung von höhersemestrigen Studierenden, die ein Reviewkomitee stellen und alle Studierendenarbeiten beurteilen
  • Peer-Respond: Rückmeldungen von Kolleg/inn/en, die sich mit demselben Thema befassen oder andere Aspekte eines Themas behandeln, sind eine wertvolle Feedbackquelle für sämtliche Aspekte (Struktur, Inhalt, Stil, Kreativität etc.): Lassen Sie z. B. Entwürfe in regelmäßigen Abständen von Studierenden gegenlesen
TIPP Vergeben Sie Punkte für konstruktives gutes Feedback, dies erhöht den Anreiz für Feedbackgebende Studierende. 
Peer Grading

Peer-Assessments können formativen (Peer Feedback) oder summativen Charakter (Peer Grading) haben.

Beim Peer Grading erhält die Bewertung einer Arbeit/Leistung durch eine/n andere/n Studierenden eine stärkere Gewichtung. Im Gegensatz zum Peer Review, bei welchem es stärker um Feedback als um Bewertung geht.

Wichtig beim Einsatz von Peer-Grading:

  • Wenn Sie die Studierenden auch in die Benotung einbeziehen möchten, geben Sie den Studierenden vorab die Möglichkeit, ihre Beurteilungsfähigkeiten zu entwickeln und zu erproben, z. B. durch Peer-Feedback auf formative Leistungsüberprüfungen. 
  • Beziehen Sie Peer-Assessment nur dann in die Benotung ein, wenn die Studierenden genügend Wissen haben, um informierte Einschätzungen der Arbeit anderer Studierender zu leisten. 
  • Erklären Sie den Studierenden außerdem den Beurteilungsprozess ausdrücklich, so dass Studierende wissen, dass trotz der Involvierung anderer Studierender die Beurteilung reliabel ist.

Beispiel I: Gruppenmitglieder benoten sich gegenseitig

Sie als Lehrende/r vergeben an jede Gruppe eine Note. Daran anschließend vergeben die Studierenden individuelle Noten an jedes Mitglied ihrer Gruppe, basierend auf der Einschätzung des Beitrags eines jeden/einer jeden zur Gruppenarbeit. Jemand, der viel zur Arbeit beigetragen hat, bekommt eine bessere Note als jemand der weniger beigetragen hat. Der Durchschnitt aller so vergebenen Noten der Peers kann dann für die Beurteilung jedes/jeder Studierenden herangezogen werden.

Beispiel II: Gruppenmitglieder teilen die gemeinsam erreichten Punkte untereinander auf
Jede Gruppe erhält eine Gesamtpunkteanzahl von Ihnen. Anschließend verteilt die Gruppe die Punkte eigenständig unter sich auf. TIPP: Damit können Trittbrettfahrer entlarvt werden. 

Variante: Peer-Rating

Das Peer-Rating kann eingesetzt werden, wenn Sie mehr über das Zustandekommen einer Gruppenleistung wissen möchte: Mitglieder einer Gruppe wissen am besten, wer wie viel zum Zustandekommen der Gesamtleistung beigetragen hat. Die Herausforderung liegt daher darin dieses implizite Wissen auf die Lehrperson zu übertragen und so der Leistungsfeststellung und -beurteilung zugänglich zu machen. Die Selbstbeurteilung durch die Gruppe kann durch folgende Szenarien eingesetzt werden: 

Das "gemischte“ Peer Rating 
Beim gemischten Peer Rating verbleibt die Notengebung bei Ihnen. Sie räumen den Studierenden allerdings in einer von Ihnen frei wählbaren Intensität die Freiheit ein, eigene Noten zu vergeben. Sie verpflichten sich also dabei, das Peer Rating anteilig als einen bestimmten Prozentsatz der Gesamtnote zu berücksichtigen. Diese Form des Peer Ratings bietet den Vorteil, dass hier ein flexibel gestaltbarer Spielraum bleibt und durch den Prozentsatz auf den jeweiligen Reifegrad der Projektgruppen eingegangen werden kann. 

Das "weiche“ Peer Rating 
Beim "weichen“ Peer Rating dient die gegenseitige Beurteilung nur der Rückmeldung über die eigene Leistung durch die Gruppe. Dieser Ansatz hilft auch Ihnen z. B. frühzeitig Konflikte in den Projektgruppen zu erkennen, darauf einzugehen und so eine Aussprache herbeizuführen. 

Anwendungsbsp.: Peer-Assessment bei Seminararbeiten

Peer Feedback kann während der Erstellung von Seminararbeiten eingesetzt werden, um durch das gegenseitige Feedback der Studierenden zu unterschiedlichen Zeitpunkten vielfältige Perspektiven auf eine Arbeit zu eröffnen. Anderen Studierenden Feedback zu geben erfordert zugleich, sich auch mit der eigenen Arbeit kritisch auseinanderzusetzen. 

Peer Feedback hilft…

- bei der Erstellung von Seminararbeiten (auch bei mündlichen Präsentationen als Vorbereitung auf Seminararbeiten), um...

  • Ideen für eine Themenstellung zu finden.
  • die Themenstellung einzugrenzen.
  • Brainstorming zum Thema und zu Thesen durchzuführen.
  • mögliche Herangehensweisen an die Themenstellung zu diskutieren.

- bei schriftlichen Vorarbeiten der Studierenden (z. B Abstracts und Vorversionen), um …

  • zu erfahren, welche Eindrücke andere Leser/innen haben.
  • blinde Flecken in Bezug auf die eigene Arbeit zu erkennen.
  • Hinweise auf die inhaltliche Stimmigkeit und Lesbarkeit zu erhalten.
  • Entscheidungen für Überarbeitungen treffen zu können.
  • Vertrauen in die eigene Arbeit zu gewinnen, weil sichtbar wird, dass bei anderen Studierenden ähnliche Fragen auftauchen, und zu erkennen, dass diese lösbar sind.

Vorteile:

  • Sie erhalten bessere Seminararbeiten: Studierende haben sich mit Hilfe des Feedbacks im Vorfeld schon intensiver mit ihrer Arbeit auseinandergesetzt und sie überarbeitet
  • Sie sparen Zeit beim Beurteilen: Es ist wahrscheinlich, dass Sie Seminararbeiten erhalten, die aufgrund der Feedbackschleifen durchdacht und gut aufgebaut sind. Dies verbessert die Lesbarkeit und reduziert die Zeit, die Sie für die Beurteilung der Arbeit benötigen
  • Sie beziehen Studierende aktiv ein: Egal wie viel Zeit Sie für Peer-Review einräumen, Sie halten Ihre Studierenden jedenfalls dazu an, sich zu engagieren und aktiv zu beteiligen

Weiterführendes

Zur Unterstützung der Studierenden, können Sie nicht nur Kriterien vorgeben, sondern vorstrukturierte Beurteilungsbögen ausgeben, z. B. 

Checkliste

Beim Korrigieren von schriftlichen Prüfungen besteht immer die Gefahr der mangelnden Objektivität und Vergleichbarkeit der Beurteilungen. Die hier  angeführten Empfehlungen sollen Sie dabei unterstützen, Antworten von Studierenden so fair wie möglich zu beurteilen und die Gründe für Ihre Beurteilung transparent zu machen. Zudem können Sie die Punkte auch als praktische Anregungen sehen, die das Korrigieren erleichtern.

Quellen

ETH Zürich -LET, "Leitfaden zur Notengebung bei schriftlichen Prüfungen", in: https://ethz.ch/content/dam/ethz/main/eth-zurich/organisation/let/files_DE/leitfaden_notengebung.pdf, 2013, 25.09.2019.

Jürgens, E., Leistung und Beurteilung in der Schule, Sankt Augustin: Academia Verlag, 2005

Limburg, A., Schreibzentrum der RUB,  Leistungsbeurteilung, in: https://dbs-lin.ruhr-uni-bochum.de/lehreladen/planung-durchfuehrung-kompetenzorientierter-lehre/leistungsbeurteilung/moeglichkeiten-fuer-eine-produktive-leistungsbeurteilung/1beurteilungskriterien-festlegen/?pdf=1054, 2019, 26.09.2019

Mendzheritskaya, J./I. Ulrich/M. Hansen/C. Heckmann, Gut beraten an der Hochschule, Stuttgart: Kohlhammer 2018.

Oelkers, J., Leistungen und Noten: Probleme der Schülerbeurteilung, in: https://edudoc.ch/record/29498/files/14.pdf, 2002, 19.09.2019.

Osterroth, A., Lehren an der Hochschule, Stuttgart: Metzler 2018.

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Abb. 1-3: Jürgens 2005; Mendzheritskaya et al. 2018; Oelkers 2002; Osterroth 2018.

Abb. 4: Eigene Darstellung

Abb. 5: Eigene Darstellung

Abb. 6:  https://www.oulu.fi/edu/btheses_assessment [26.09.2019]



Empfohlene Zitierweise:
Assignments beurteilen und summatives Feedback, Teaching & Learning Academy, Wirtschaftsuniversität Wien, https://learn.wu.ac.at/open/tlac/summativ, November 2019.


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