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Teachers Talk: Teil I

Inspirationen aus erster Hand 

In dieser Sonderausgabe des FLN Newsletters wollen wir Ihnen zur Inspiration vier hausinterne Beispiele für kreative Lösungen der Umstellung auf Distanzlehre vorstellen. Im ersten Teil geben Dr. Michaela Nettekoven und Mag. Maria Krakovsky vom Institut für Finance, Banking and Insurance sowie Professor Günter K. Stahl, vom Institut für International Business, Einblicke in ihre umgestellten LV-Designs. 
 

Teachers Talk mit Maria Krakovsky und Michaela Nettekoven

Maria Krakovsky und Michaela Nettekoven vom Institut für Finance, Banking and Insurance sind für die Lehrveranstaltung Finanzierung im Bachelor WiSo zuständig und gehen im Interview auf Lösungsansätze ein, die hilfreich waren, um besonders schwierige Stoffinhalte in die Distanzlehre zu überführen. Wie sie die individuelle Semesterplanung der Studierenden unterstützen und sie zum regelmäßigen Mitlernen motivieren, lesen Sie im Beitrag.

Komplizierte Stoffinhalte online vermitteln

Bei der Umstellung auf die Distanzlehre haben wir davon profitiert, dass wir bereits im letzten Semester einige unserer 20 Parallelkurse als Blended-Learning-LVs angeboten haben, bei denen einige Einheiten online abgewickelt wurden, die wir natürlich jetzt für alle Kurse übernehmen konnten. Die Herausforderung war, die anderen Einheiten – mit den komplizierteren Stoffinhalten, die wir eigentlich als nicht gut geeignet für die Online-Vermittlung angesehen haben – jetzt kurzfristig ebenfalls auf Distanzlehre umzustellen, und geeignete Lernmaterialien dafür zu erstellen. Wir setzen dabei auf eine Mischung aus Textseiten, kurzen Erklärvideos, Beispielen mit schrittweiser Anleitung und Kontrollfragen auf MYLEARN.

Studierende zum regelmäßigen Mitlernen motivieren

Die Umstellung der LV Finanzierung von einer LVP auf eine PI bzw. VUE vor ein paar Jahren hat zu einer Halbierung der Durchfallquoten geführt, was wir unter anderem auf das laufende Mitlernen zurückführen. Daher war es uns besonders wichtig, dass die Studierenden auch jetzt nicht erst kurz vor der Prüfung zu lernen beginnen, sondern regelmäßig mitarbeiten. Um hier einen Anreiz zu setzen, sind die speziellen Lernmaterialien, die die Präsenzeinheiten ersetzen, nur eine Woche lang online verfügbar. Dies wertet außerdem die Lernmaterialien auf und die Inhalte werden genauer und ausführlicher erarbeitet. Wenn Studierende die Frist versäumen, können sie immer noch auf die „alten“ Lernressourcen zurückgreifen, die ebenfalls den Stoff abdecken, und dauerhaft online sind.

Kommunikation mit den Studierenden

Wir haben einen gemeinsamen MyLEARN-Chat für alle Parallelkurse eingerichtet (ein Chatraum kann auf MyLEARN in eine Textseite eingebettet und diese dann auf alle Kurse „vererbt“ werden). Jede/r Vortragende betreut zu seinen Original-LV-Zeiten diesen Chat. Da wir bei 20 Parallelkursen praktisch durchgehend von Montag bis Freitag Lehrveranstaltungen anbieten und damit einen Vortragenden im Chat haben, können Fragen der Studierenden sehr schnell beantwortet werden.

Selbstorganisation der Studierenden unterstützen

Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht bieten Studierenden eine zeitliche Struktur, die ihnen auch bei der Zeiteinteilung und Lernplanung hilft. Da dies bei der Distanzlehre wegfällt, haben einige unserer Vortragenden sich Mitarbeitsprojekte überlegt, die dabei helfen sollen. Z.B. müssen Studierende einen Lernplan für das Semester erstellen und nach einiger Zeit reflektieren und anpassen, oder es werden während der normalen LV-Zeiten auf MyLEARN Arbeitsaufträge freigeschaltet, usw. Alles, was den Studierenden bei der Selbstorganisation hilft, ist in diesem Semester sicher extrem nützlich.

Teachers Talk mit Günter K. Stahl
Günter K. Stahl ist Professor für International Management am Institut für International Business und Leiter des Kompetenzzentrums für Sustainability Transformation and Responsibility. In seinen Lehrveranstaltungen vermittelt er unter anderem das bereits in der Präsenzlehre herausfordernde Themengebiet Leadership. Im Interview erzählt er welche Methoden bei der Umstellung seiner Lehrveranstaltungen an der ExAc und im Master CEMS zur Anwendung kommen.
 

Die Herausforderung besteht für mich darin, ein Thema wie Leadership, das selbst unter normalen Umständen nicht einfach zu unterrichten ist (denn Leadership lernt man nicht im Hörsaal oder Seminarraum, sondern im Leben) auf eine Weise online zu vermitteln, die die Lernenden aktiv einbezieht und in eine intensive, selbstgesteuerte Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand bringt. Wie das erreicht werden kann, ist teilweise abhängig von der Zielgruppe – es macht einen großen Unterschied, ob jüngere Studierende mit wenig Führungserfahrung, MBA-Studierende oder gestandene Führungskräfte die Kurse besuchen. Dennoch gibt es einige Prinzipien und “good practices”, die meiner Erfahrung nach bei allen Gruppen anwendbar sind.

Nachfolgend drei konkrete Beispiele aus Kursen, die ich auf Distanzlehre umstellen musste (den CEMS Responsible Global Leadership Kurs sowie das Leadership Modul im Global EMBA). In beiden Fällen mussten online-Varianten für erfahrungsgestützte Bestandteile meiner Kurse (wie etwa “deep immersion experiences” oder “social projects”) gefunden werden:

Problem- und Fallorientierter Zugang

Die TeilnehmerInnen arbeiten vor oder begleitend zu einer online Lecture in virtuellen Lerngruppen und diskutieren Fallstudien, tauschen Erfahrungen aus oder erarbeiten Problemlösungen zu aktuellen Herausforderungen: Ein Beispiel dafür wäre die Aufgabe, Empfehlungen an ein Top Management Team zu erarbeiten, welche Maßnahmen des Krisenmanagements in der derzeitigen Situation Priorität haben sollten und wie man die damit verbundenen Führungsaufgaben bestmöglich bewältigen kann (z.B. wie man ein Kriseninterventionsteam zusammenstellt und führt). Jede Lerngruppe entscheidet für sich selbst, welches Kommunikationsmedium sie benutzt. Da die TeilnehmerInnen über die ganze Welt verstreut sein können und vor Ort unterschiedliche Möglichkeiten/Einschränkungen bestehen, kommt das gesamte Spektrum an Kanälen in Frage.

Erarbeitung eines Stärken-Schwächen-Profils und peer coaching

Jede/r TeilnehmerIn erstellt für sich ein persönliches Stärken-/Schwächen-Profil sowie einen Entwicklungsplan mit konkreten Lernzielen, die in den nächsten Monaten erreicht werden sollen (z.B., “wie kann ich einen authentischen Führungsstil entwickeln, der meiner Persönlichkeit entspricht und es mir erlaubt, Schwächen – z.B. meine Schüchternheit – in Stärken umzuwandeln?”). Anschließend coachen sich die TeilnehmerInnen in Kleingruppen gegenseitig, wie sie ihre Entwicklungsziele erreichen können. Die “peer coaching” Gruppen bleiben für die gesamte Dauer des Programms zusammen und unterstützen sich gegenseitig bei Lern-/ Entwicklungsprozessen (z.B. durch kritisches, aber konstruktives Feedback). In der derzeitigen Situation sind nur virtuelle Treffen möglich, aber wenn sich die Lage normalisiert, sind periodische face-to-face Meetings wichtig. Peer coaching erfordert Einfühlungsvermögen und Vertrauen, und beides lässt sich virtuell nur bedingt gewährleisten.

Kreative und thematisch aktuelle Präsentationen

Ein 4-Stunden Modul zum Thema 21st Century Leadership gibt den TeilnehmerInnen Gelegenheit, top-aktuelle Leadership Themen aufzugreifen (z.B. “Leadership in times of turbulence and crisis”) und den anderen Studierenden in einer 30-Minuten Session auf möglichst interessante Weise zu vermitteln. Der Kreativität und Möglichkeit zur aktiven Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt - stinklangweilige Powerpoint-Präsentationen sind allerdings verboten. Falls möglich sollte die Veranstaltung live erfolgen und interaktive Komponenten enthalten – auch wenn das bedeutet, dass einige TeilnehmerInnen nachts aufstehen müssen.

Diese Lernansätze können die angesprochenen erfahrungsgestützten Bestandteile meiner Kurse, zwar nicht ersetzen, aber die TeilnehmerInnen dazu anregen, sich aktiv an ihrem Lernen und ihrer persönlichen Entwicklung zu beteiligen.