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2.4 Vorträge gestalten

Die Aufmerksamkeit der Studierenden hängt stark davon ab, wie eine Lehrveranstaltung strukturiert ist und wie gut es gelingt, die Aufmerksamkeit der Studierenden zu fokussieren. Seien Sie sich als Lehrender weiters bewusst, dass die Art und Weise, wie Sie Ihre Stimme und Gestik einsetzen, Ihr Wirken auf die Studierenden maßgeblich beeinflusst.

Der Frontalvortrag ist nach wie vor eine wichtige Methode in der Didaktik, beschäftigen Sie sich daher mit Stärken und Schwächen des frontalen Unterrichtens und überlegen Sie sich, wie Sie es sinnvoll einsetzen können und welche Alternativen es zum Frontalvortrag gibt. Unter Tools zur Erstellung von Präsentationen finden Sie Regeln, praktische Tipps und eine Übersicht zu möglichen Programmen zur Erstellung einer Präsentation.

Unterhalb finden Sie drei Varianten als Anhaltspunkte, wie Sie die Lehrveranstaltung so strukturieren können, dass sie dem Aufmerksamkeitspotential der Studierenden gerecht wird. Außerdem finden Sie eine kurze Beschreibung des Frontalvortrags, die Ihnen helfen soll, diese Methode mit Maß und Ziel zu nutzen. Abschließend finden Sie Hinweise, was beim Einsatz der Stimme, des Blicks und der Hände zu beachten ist.

Präsentation strukturieren

Wofür?
  • Studierende unterstützen, ihre Aufmerksamkeit auf Wesentliches zu fokussieren
  • Studierende aktiv einbeziehen, indem Sie Ihre Erwartungen von Beginn an kommunizieren
Wie?

Stellen Sie Ihren Studierenden zu Beginn einer LV-Einheit einen Orientierungsrahmen (Advanced Organizer) zur Verfügung, indem Sie z. B.:

  • Die Ziele der LV-Einheit transparent machen
  • Den groben Ablauf der LV-Einheit vorstellen
  • Vier bis fünf Kernideen der LV-Einheit vorstellen
  • Den Bezug zu(r) vorangegangenen LV-Einheit(en) oder anderen Lehrveranstaltungen herstellen
  • Kommunizieren, in welcher Form sich Studierende einbringen können
Wofür?
  • Studierenden dabei helfen ihre Aufmerksamkeitsspanne von 15 Minuten optimal nutzen zu können
  • Studierende unterstützen, die Lehrinhalte zu verstehen und zu verinnerlichen
  • die aktive Auseinandersetzung mit Lehrinhalten fördern und tiefgreifende Denkprozesse anregen
  • Interaktionsmöglichkeiten schaffen
Wie?

Planen Sie Ihre LV-Einheit so, dass nach jeweils circa 15 Minuten Input von Ihnen eine andere Aktivität folgt:

Variante A

  • Leiten Sie die Studierenden dazu an, zunächst nur Ihrem Input zu folgen.
  • Beenden Sie Ihren Input nach ca. 15 bis 30 Minuten.
  • Fordern Sie die Studierenden nun auf, sich Notizen zu machen. Geben Sie ihnen dafür fünf bis zehn Minuten Zeit.

Variante B

  • Planen Sie Ihren Input in 15-Minuten-Phasen.
  • Geben Sie den Studierenden nach jedem Input ca. drei Minuten Zeit, um ihre Notizen zu überfliegen und sie allein oder zu zweit zu rekapitulieren.

Variante C

  • Planen Sie Ihren Input in 10- bis 15-Minuten-Phasen.
  • Wechseln Sie die Aktivität, indem Sie Studierende nach einem Input aktiv einbeziehen. Lassen Sie sie z. B. eine Frage- oder Problemstellung zu zweit bearbeiten oder führen Sie ein Quiz oder eine Umfrage durch.


Präsentationstechniken und -hilfsmittel

Was und wofür?

Der Ursprung der TED-Talks findet sich in einer Konferenz 1984, auf der Menschen aus den Bereichen Technologie, Unterhaltung und Design zusammen kamen. Heute gibt es TED-Talks zu einer Unmenge an Themen - von Sport, über Wirtschaft bis hin zur Weltpolitik - und in über 100 verschiedenen Sprachen. TED ist eine Non-Profit-Organisation, die das Ziel verfolgt, großartige Ideen - "ideas worth spreading" - der Welt zugänglich zu machen.

TED-Talks dauern nie länger als 18 Minuten. Manche Themen können in fünf Minuten erklärt werden, andere in zehn. Wichtig bei dem Konzept der TED-Talks ist aber immer, die Idee in kurzer Zeit, prägnant, verständlich und überzeugend an das Publikum zu vermitteln.

Es kann sehr sinnvoll sein, das Konzept der TED-Talks in der Lehre einzusetzen, um den Studierenden in relativ kurzer Zeit Kenntnisse von Theorien, Ereignissen oder Fakten zu vermitteln und um deren Interesse für ein bestimmtes Thema zu wecken. Versuchen Sie allerdings, frontale Phasen mit dialogischen und interaktiven Phasen zu verknüpfen. D. h. auf einen 15-minütigen TED-Talk ihrerseits könnten z. B. eigenständige und selbstgesteuerte Lernmethoden folgen, sodass ein aktives Mitdenken und Mitarbeiten der Studierenden gefördert wird.

Wie?
  1. Es ist hilfreich, wenn Sie sich im Voraus mehrere TED-Talk-Videos (externer Link) ansehen, um ein Verständnis für den Aufbau zu entwickeln. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die verschiedenen Stile und entwickeln Sie in Folge Ihren eigenen, Ihrer Lehrveranstaltung und Ihrem Publikum entsprechenden, persönlichen Stil.
  2. Legen Sie den primären Zweck Ihres TED-Talks fest (z. B. Einführung in ein Thema, fehlende Sachkenntnisse vermitteln...)
  3. Erstellen Sie eine Gliederung
  4. Bieten Sie eine überzeugende Einleitung
  5. Definieren Sie Ihre Prämisse und finden Sie heraus, welche Beweise Sie für Ihre Prämisse nennen können
  6. Seien Sie sich des Zeitlimits bewusst (TED-Talk mit anderen Lehrmethoden kombinieren, interaktives, dialogisches Unterrichten fördern)
  7. Suchen Sie visuelle Darstellungen (vgl. Tools zur Erstellung von Präsentationen) zur Unterstützung Ihres Vortrags
  8. Schließen Sie auf einem Höhepunkt ab
Worauf Sie beim Vortragen noch achten sollten:

Aufmerksamkeit erzielen: Nur wer gleich zu Beginn eines Vortrags aufhorcht, hört mit Spannung weiter zu.

Spannung halten: Die Spannung muss bis zum Schluss gehalten werden.

Verständlich sein: Drücken Sie sich verständlich aus.

Botschaft transportieren: Überlegen Sie sich eine klare Kernbotschaft. Was sollen die Studierenden aus Ihrer heutigen Einheit mitnehmen?

Impuls auslösen: Ihr Vortrag soll den Studierenden als Impuls dienen, um selbständig weiterzudenken und zu reflektieren.


Einsatz der Stimme und Nonverbale Kommunikationsstrategien

Der Einsatz der Stimme ebenso wie nonverbale Kommunikation – Mimik, Gestik, Körperbewegung und Blickkontakt – sind der Grundstein für einen gelungenen Vortrag und oft sogar entscheidender als Inhalte und Fakten. Wie halte ich mit dem ganzen Publikum Blickkontakt? Wohin mit meinen Händen? Wie setze ich meine Stimme richtig ein?

Um den Eindruck zu erwecken, alle Zuseher/innen gleichermaßen anzusprechen und einzubeziehen, ist es sehr hilfreich, das Publikum vor dem geistigen Auge in Sektoren zu unterteilen. Eine Atempause, ein Gedankenwechsel oder eine Betonung eignen sich, um den Blick von einem Sektor zum nächsten weiter schweifen zu lassen. Gezielter Blickkontakt strahlt Selbstbewusstsein, Ruhe und Souveränität aus und weckt das Interesse der Studierenden.

Je nach der Größe des Publikums können Sie vier bis sechs Ankerpunkte wählen, auf die Sie Ihren Blick richten und einige Sekunden verweilen. Sie können Ihren Blick z. B. in Form eines seitlich gelegten Z oder in Form eines W gezielt lenken.

Ebenso wie Ihr Blick sind auch Ihre Sprache, Stimme und Atmung entscheidende Faktoren beim Vortragen. Um das Interesse und die Aufmerksamkeit der Studierenden hoch zu halten, ist es vor allem wichtig, nicht zu monoton, nicht zu schnell und nicht zu leise zu sprechen. Achten Sie bei der Vorbereitung Ihres Vortrages bewusst auf die Stimmführung und markieren Sie sich z. B. farblich Sprechpausen ebenso wie Stellen, die Sie betonen wollen.

  • Variieren Sie beim Sprechen Ihre Stimme, um Langeweile im Publikum zu vermeiden
  • Sprechen Sie klar, laut, deutlich und langsam (die eigene Wahrnehmung unserer Sprechgeschwindigkeit ist i. d. R. langsamer als die Wirklichkeit)
  • Betonen Sie bewusst bestimmte Silben oder Wörter (Monotonie vermeiden!)
  • Nutzen Sie Sprechpausen (Vergessen Sie nicht zu atmen)
  • Ein Satz ist zu lang, wenn Sie zwischenzeitlich Luft holen müssen
  • Vermeiden Sie Füllwörter (Äh, Sozusagen, ja, relativ) und Füllsätze (Ich würde sagen…, Wenn ich ehrlich bin…)
  • Verwenden Sie positive Ausdrücke und vermitteln Sie Begeisterung für Ihr eigenes Thema

Die Körpersprache in der Rhetorik unterscheidet sich von der Körpersprache im Alltag grundlegend dadurch, dass oftmals versucht wird Körpersprache bei Vorträgen gezielt einzusetzen. Insbesondere die Hände können bei einem Vortrag Unsicherheit sichtbar machen oder aber Informationen vermitteln bzw. untermauern. Überlegen Sie sich im Vorfeld, wie Sie Ihre Hände einsetzen wollen und inwiefern diese die Aussagen Ihres Vortrags unterstreichen könnten. Gemäßigtes - sinnvoll eingesetztes - Gestikulieren kann Ihre Präsentation lebendiger und fesselnder machen.

  • Gestikulieren Sie v. a. in Hüft- und Brusthöhe, über der Gürtellinie
  • Nehmen Sie eventuell einen Kugelschreiber, einen Zeigestab, einen Pointer oder Ihre Notizen zur Hand (besonders hilfreich falls Ihre Hände dazu neigen aus Nervosität in die Hosentaschen, zum Ohr, zur Nase etc. zu wandern)
  • Der Kugelschreiber kann als Verlängerung des Zeigefingers genutzt werden, um auf Grafiken Ihrer Präsentation zu verweisen etc.
  • Verschränken Sie nicht die Arme! (offene Körperhaltung)
  • Halten Sie Ihre Hände nicht zu lange hinter dem Rücken
  • Hände nicht in den Hosentaschen


Was eine gute Inszenierung sonst noch ausmacht?

Wie gelingt es Ihnen, die Lehrveranstaltung möglichst gut zu inszenieren, um die Studierenden zu fesseln? In Folge finden Sie vier wichtige Tipps und Tricks zur Inszenierung genauer beschrieben. Unter diesem Link finden Sie zusätzlich eine Anzahl an Kurztests, um die wesentlichen Inszenierungsmethoden kennenzulernen und zu verinnerlichen:

Was und wofür? Mit guter Sprache können Sie viel erreichen. Anders als im alltäglichen Sprachgebrauch sollten Sie sich – je nach Zielgruppe und Kontext – genau überlegen, wie Sie Ihre Sätze formulieren. Denken Sie also im Vorfeld darüber nach, welche Wörter Sie benutzen wollen, wie lange Ihre Sätze sein sollen und ob Sie den Studierenden bestimmte Fremdwörter erklären müssen.
Wie?
  • Quälen Sie Ihre Zuhörer/innen nicht mit zu komplexen, langen Sätzen. Nutzen Sie eher Aktiv- als Passivkonstruktionen, das erleichtert das Verständnis
  • Vermeiden Sie Füllwörter
  • Erklären Sie Fremdwörter und Fachbegriffe, die die Studierenden möglicherweise nicht kennen
  • Achten Sie auf den Einsatz Ihrer Stimme
Was und wofür?

Um die Aufmerksamkeit der Studierenden von Anfang an für Sie zu gewinnen, ist ein gelungener Einstieg in Ihren Vortrag sehr wichtig. Er ermöglicht Ihnen, das Interesse der Studierenden gleich zu Beginn zu wecken und sie zum aufmerksamen Zuhören und Mitarbeiten zu aktivieren.

Wie?

Beginnen Sie z. B. mit:

  • Einer Frage
  • Einer Provokation
  • Einem Zitat
  • Einem Fallbeispiel
  • Einem Bild oder kurzem Video
Was und wofür?

Und wie mache ich nach dem gelungenen Einstieg weiter?
Ihr Vortrag soll gut strukturiert ebenso wie interessant und lehrreich für die Studierenden sein, eine gute Planung ist dabei unerlässlich. Um die Spannung im Laufe der Einheit hoch zu halten, sodass die Studierenden aufmerksam bleiben, kann es hilfreich sein, die Einheit in mehrere Abschnitte zu gliedern. Sie können sich dabei grob an Aristoteles Grundkonzept der 3-Akt-Struktur (Poetik 335 v. Chr.) orientieren.

Wie?

Aristoteles Grundkonzept der 3-Akt-Struktur (Poetik 335 v. Chr.):

  1. Akt → Exposition → Einleitung/Einstieg in das Thema
  2. Akt → Konflikt → Zentrale Thematik der Einheit + eventuelle Problematiken/kritisches Reflektieren
  3. Akt → Konflikt-Lösung → Resümee/Output der LV-Einheit

Man spricht in der Didaktik auch von:
Einstiegsphase – Erarbeitungsphase – Phase der Ergebnissicherung

Gustav Freytag beschrieb - in Anlehnung an Aristoteles - das klassische Drama 1863 als „Pyramidenmodell“ in fünf Akten.

Wenn Sie überschüssige Zeit in Ihrer LV-Einheit haben, können Sie z. B. das „Thema in petto“ (vgl. Zeitmanagement in der Lehrveranstaltungseinheit) als Wiederholung (Retardation) nutzen.

Was und wofür? Mit Hilfe von Fragen können Sie die Aufmerksamkeit der Studierenden wecken, Interaktivität fördern und die Studierenden zum Nachdenken oder kritischen Reflektieren anregen.
Wie?

Fragen als…

  • Aufhänger oder Einstieg in das Thema
  • Gliederung (Überschriften in Fragen formulieren)
  • Abschluss (wenn Sie Studierende gezielt zum Weiterdenken und Handeln anregen wollen)

Quellen

Engstle, S., "Präsentieren im Studium. Basisregel 1: Sprache und Stimme", in: istudywiwi.de, http://istudywiwi.de/index.php/2014/08/06/praesentieren-im-studium-basisregeln-1-sprache-und-stimme/, 16.07.2019 (Orig. 06.08.2014).

Fleig, J., "Besser präsentieren. Wie Sie Körper und Stimme bei Präsentationen einsetzen", in: business-wissen.de, https://www.business-wissen.de/hb/wie-sie-koerpersprache-und-stimme-bei-praesentationen-einsetzen/, 16.07.2019 (Orig. 27.12.18).

Hauer, P., "Der Aufbau des klassischen Drams", in: philipphauer.de, https://www.philipphauer.de/info/d/aufbau-drama-macbeth-iphigenie/, 16.07.2019 (Orig. 13.11.2007).

Kinateder, B., "Klassische Erzählformen", in: br-online, http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/25-2012-2/dramaturgie.pdf, 16.07.2019 (Orig. 2012).

Starke-Wuschko, J., Präsentieren im Studium, Konstanz und München: UVK Verlagsgesellschaft 2014.

S.n., "Einen TED Talk halten", in: wikihow, https://de.wikihow.com/Einen-TED-Talk-halten, 16.07.2019.

S.n., "TED. Ideas Worth Spreading", in: TED.com, https://www.ted.com/about/our-organization, 16.07.2019.

S.n., "Körpersprache im Vortrag", in: Absolventa, https://www.absolventa.de/karriereguide/koerpersprache/koerpersprache-vortrag, 16.07.2019.

S.n., "Die zwölf wichtigsten Inszenierungstechniken", in: Newbook-Services, http://www.newbooks-services.de/MediaFiles/Texts/0/9783636031150_Excerpt_001.pdf, 16.07.2019.





Empfohlene Zitierweise:
Vorträge gestalten, Teaching & Learning Academy, Wirtschaftsuniversität Wien, https://learn.wu.ac.at/open/tlac/vortraggestalten, November 2019.


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