Good Practice@WU: Gemeinsame Fallbearbeitung in einem Wiki

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LV: Wirtschaftsprivatrecht II

Lehrender: Günter Tiefenbacher

Department: Unternehmensrecht, Arbeits- und Sozialrecht


Ausgangslage


In der LV „Wirtschaftsprivatrecht II“ soll eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem wirtschaftsnahen Privatrecht stattfinden. In Weiterführung der LV „Wirtschaftsprivatrecht I“ aus der Studieneingangsphase wird den Teilnehmer/inne/n anhand von typischen Fällen, wie sie auch in der Praxis vorkommen könnten, weiterführendes Faktenwissen vermittelt.

Darüber hinaus soll den Studierenden aber auch die Fähigkeit der juristischen Falllösung in Grundzügen vermittelt werden. Es genügt also nicht, den bloßen Inhalt von Vorschriften und Regeln wiederzugeben, sondern die Studierenden sollten selbstständig herausfinden können, welche rechtlichen Konsequenzen sich aus einem oder mehreren Lebenssachverhalten ergeben.

Probieren geht über studieren


Diese Fähigkeit des Falllösens kann am besten durch Übung an möglichst lebensnahen, realistischen Fällen erlangt werden. Dies läuft in einer klassischen juristischen LV so ab, dass Fälle diskutiert werden, welche die Teilnehmer/innen zu Hause vorbereitet haben. Der Lehrende gibt anschließend ein Feedback bzw. trägt die richtige Lösung vor.

Elektronischer „mini moot court“


Um den Konflikt – der jedem juristischen Fall zu Grunde liegt – und seine Lösung begreifbarer zu machen, wird hier versucht, das Konzept der bewährten „moot courts“ mithilfe des Wikis in der Lernplattform Learn@WU in eine normale PI einzubauen. Die Studierenden lösen einen Fall nicht für sich allein, sondern übernehmen die Rolle einer Partei und kämpfen mit juristischen Mitteln gegeneinander.

Organisatorischer Ablauf


Ein Fall wird von drei Gruppen (z. B. „Kläger“, „Beklagter“ und „Richter“), bestehend aus jeweils zwei Studierenden, im Laufe einer Woche aufbereitet und in der anschließenden LV-Einheit diskutiert. Danach können alle LV-Teilnehmer/innen auf die Fälle samt Lösungen zugreifen. So entsteht im Laufe der LV ein Skriptum mit gelösten Fällen. Mit der Fallbearbeitung im Zuge des „mini moot court“ können zehn Punkte (von insgesamt 100) gesammelt werden.

Zeitlicher Ablauf

1
Ausgabe des Falles an die drei Gruppen (z. B. „Kläger“, „Beklagter“ und „Richter“)

  • Der Lehrende stellt den Sachverhalt in das Wiki, alle drei Gruppen erhalten einen Lesezugriff auf die Angabe.
  • Die Teams „Kläger“ und „Beklagter“ erhalten jeweils einen eigenen Bereich, auf den nur sie Zugriff haben. In diesem Bereich können sie ihre Falllösung posten, außerdem finden sie einige Fragen zum Fall, die sie – neben der allgemeinen Falllösung – beantworten sollten. Dafür haben die beiden Gruppen eine Woche Zeit.



2
Im Anschluss erhält die Gruppe „Richter“ Lesezugriff auf die „Schriftsätze“ der Teams „Kläger“ und „Beklagter“. In einem eigenen Bereich können sie ihre Beurteilung der Falllösungen posten. Dafür haben sie ebenfalls eine Woche Zeit.


3
Zum Abschluss wird der Fall in einer LV-Einheit besprochen und alle LV-Teilnehmer/innen erhalten Leserechte für die ins Wiki gestellten Fallbearbeitungen.


    4
    Die Fallbearbeitungen können (und sollen) von den Gruppen nach ihrer Besprechung und im Laufe der LV weiter verbessert und erweitert werden. Dadurch entsteht im Laufe der LV ein Skriptum mit ausgearbeiteten Fällen.





        Erfahrungen des Lehrenden

        • Die Studierenden haben sich zum Teil sehr emotional mit „ihrem“ Fall identifiziert. Die Fälle wurden so quasi real erlebbar, was mit einem hohen Lerneffekt verbunden ist.
        • Durch die gruppenweise Bearbeitung wird das Bilden von Lerngruppen gefördert.
        • Durch das Wiki wird die Entstehung der Falllösung dokumentiert.
        • Die Studierenden erhalten einen weiteren Lernbehelf.
        • Zu beachten ist der nicht unerhebliche organisatorische Mehraufwand dadurch, dass die Fälle angepasst werden müssen und eine weitere Teilleistung zu beurteilen ist.


        Online-Assignments

        • Das Learn@WU-Wiki bietet Ihnen die Möglichkeit, den Zugriff auf einzelne Seiten individuell festzulegen. So können Sie für einzelne Studierende oder Gruppen von Studierenden eigene Bereiche einrichten, die nur von diesen einsehbar und/oder bearbeitbar sind.