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5.2 Kommunikationstools der eModeration

Für die Kommunikation mit den Studierenden in den Online-Phasen können Sie synchrone und asynchrone Tools einsetzen. Im folgenden Abschnitt werden die zwei gängigsten Kommunikationsmedientools, der Chat (synchron) und das Forum (asynchron), beschrieben.

Was? Ein Chat ist ein synchrones Kommunikationstool. Die Gesprächspartner/innen kommunizieren in (nahezu) Echtzeit miteinander und sitzen zur selben Zeit vor ihren Computern. Meist erfolgt der Austausch im Chat schriftlich, es gibt aber auch Audio- oder Videochats.
Einsatzmöglichkeiten
  • Klärung organisatorischer Fragen:
    Bei Fragen zu Arbeitsaufträgen, inhaltlichen Fragen sowie Terminabsprachen ist eine schnelle Kommunikation und Antwort sinnvoll. Der Chat kann auch als virtuelle Sprechstunde bei Fragen an Sie als Lehrende/r oder als virtuelles Teammeeting bei Gruppenarbeiten eingesetzt werden.
    Ziel:
    Studierende erhalten rasche Antworten auf organisatorische oder inhaltliche Fragen, die sie für das weitere Lernen benötigen und in ihrem Lernprozess nicht gestoppt werden. 
  • Themenbezogene Diskussion:
    Im Chat können themenbezogene Diskussionen stattfinden. Als Lehrende/r moderieren Sie den Chat oder beauftragen eine/n Studierenden mit der Moderation. Diskussionen wie Pro und Contra Debatten oder Debatten in denen Studierende einen bestimmten Standpunkt vertreten sind besser mit dem Forum zu realisieren. 
    Ziel:
    Studierende setzen sich mit einem Themenschwerpunkt aus unterschiedlichen Perspektiven auseinander. Sie üben die knappe und präzise Formulierung ihrer Standpunkte und machen sich mit Kommunikationsregeln vertraut.
  • Brainstorming:
    Studierende sammeln ihre Ideen zu einem Thema. Danach kann das Chat-Protokoll allen Teilnehmer/innen zur Nachlese zur Verfügung gestellt werden, um in einem weiteren Chatgespräch inhaltliche Unklarheiten zu den gesammelten Ideen zu besprechen.
    Ziel:
    Studierende finden in kurzer Zeit möglichst viele und kreative Gedanken und Assoziationen zu einem Thema bzw. Lösungsalternativen zu einem Problem, wodurch ihr kreatives Denken gefördert wird.
  • Expert/inn/engespräche und Interviews:
    Die Studierenden diskutieren im Chat mit einem/r Expert/in ihre vorab gesammelten Fragen. Das Chat-Protokoll kann zur Nachlese zur Verfügung gestellt werden.
    Ziel:
    Vertiefung zu einem Thema und Einblick in andere Meinungen und neue Perspektiven. 
  • Rollenspiele:
    Bei einem Rollenspiel schlüpft jede/r Teilnehmer/in in eine oder mehrere Rollen, um dann die Handlung der Rolle im Chat auszuspielen.
    Ziel:
    Studierende setzen sich mit den Inhalten spielerisch auseinander und nehmen verschiedene Perspektiven ein. Dadurch erkennen sie unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten.
Gestaltung und Ablauf eines Chats

Beim Einsatz eines Chats empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: 

  1. Planung und Vorbereitung: 
    Wenn Sie im Rahmen Ihrer Lehrveranstaltung einen Chat einsetzen wollen, so sollten Sie im Vorfeld das Thema abgrenzen und die Ziele für das Chatgespräch klar definieren. Legen Sie gemeinsame Kommunikations- und Verhaltensregeln für die Chatkommunikation ("Chatiquette") (z. B. Verwendung von Emoticons, Akronymen etc.) sowie eine verbindliche Zeit und Dauer fest. Vorformulieren Sie aktivierende Fragen oder motivierende Aussagen, die Sie bei Bedarf in den Chat hineinkopieren können. Bereiten Sie zudem Unterlagen vor, die die Studierenden zur Vorbereitung auf den Chat benötigen (z. B. Kommunikations- und Verhaltensregeln, themenspezifische Informationen). Bei größeren Studierendengruppen empfiehlt sich die Einrichtung mehrerer Chaträume, um eine aktive Teilnahme jeder Person zu ermöglichen. 
  2. Einladung zum Chat: 
    Laden Sie die Kommunikationsteilnehmer/innen z. B. per E-Mail oder über die Ankündigungsfunktion der Lernplattform zum Chat ein. Geben Sie in dieser Einladung folgende Informationen bekannt: Diskussionsthema, Ziele, Zeitraum, Kommunikations- und Verhaltensregeln, ggf. vorzubereitende Unterlagen zum Thema. 
  3. Ablauf und Moderation des Chats: 
    Begrüßen Sie die Studierenden im Chat und stellen Sie sicher, dass alle Teilnehmer/innen Sie ggf. hören können und umgekehrt. Starten Sie dann die Diskussion zum geplanten Thema mit einer offenen Frage. Achten Sie während des Chats auf die Einhaltung der Kommunikations- und Verhaltensregeln, aktivieren Sie passive Teilnehmer/innen durch direkte Fragen und moderieren Sie die Diskussion (vgl. Weaving). Zur Strukturierung des Ablaufs können Sie spezielle Methoden bzw. Kommunikationsformen wie bspw. das Kreisgespräch (festgelegte Reihenfolge der Wortmeldungen) einsetzen. Achten Sie auf die Zeit, damit Sie am Ende das Gespräch z. B. durch ein kurzes Abschluss-Resümee der Teilnehmer/innen und von Ihnen ausklingen lassen können. Schließen Sie den Chat zur vereinbarten Zeit. 
  4. Nachbereitung:
    Stellen Sie den Studierenden zur Nachlese das Chat-Protokoll z. B. in einem Forum oder auf einer Inhaltsseite zur Verfügung. Wenn das Medium "Chat" für die Studierenden neu ist, sollte das Chat-Gespräch von den  Studierenden reflektiert werden (z. B. im Forum).

Als Unterstützung für die Planung, Durchführung und Nachbereitung eines Chats finden Sie hier  eine Checkliste für die Gestaltung eines Chats.

Vorteile
  • Austausch in Echtzeit ermöglicht lebhafte Diskussionen
  • Missverständnisse und Fragen können sofort geklärt werden
  • Der laufende Austausch stärkt die sozialen Aspekte einer Online-Kommunikation (Verbesserung des Gruppenklimas und der Motivation)
  • Dokumentation des Kommunikationsverlaufs durch Protokoll
Nachteile
  • Wird von ungeübten Lernenden oftmals als mühsam und stressig empfunden (vor allem bei schriftlichen Chats)
  • Gesprächskoordination gestaltet sich schwierig, Gesprächsbeiträge können simultan produziert werden (verbal, schriftlich) und überlappen sich bei schneller Kommunikation (Kommunikations- und Verhaltensregeln!)
  • Aufgrund der Textform können spontane Äußerungen in schriftlichen Chats eingeschränkt oder gar verhindert werden
  • Erfordert eine gute (schriftliche) Ausdrucksfähigkeit
Beispiele

TIPP: Fragen Sie aber am besten an Ihrer Hochschule nach, welche Programme den IT-Richtlinien Ihrer Hochschule entsprechen.

Weitere Programme (die u. U. zur Verfügungstellung persönlicher Daten verbunden sind):

WU-HINWEIS Wie Sie einen schriftlichen Chat in MyLEARN einrichten können, erfahren Sie im MyLEARN-Guide.
Was? Das Forum ist ein virtueller Nachrichten- bzw. Diskussionsbereich zur asynchronen Kommunikation, in dem sich zwei oder mehrere Teilnehmer/innen zu einem Thema miteinander austauschen können. Jede/r Studierende/r kann Nachrichten und Fragen senden ("posten"), die anderen Teilnehmer/innen können diese Nachrichten lesen und darauf antworten, mitdiskutieren oder selbst Fragen stellen. Man unterscheidet zwischen Foren, die allen Studierenden offenstehen, und geschlossenen Foren, die nur für eine bestimmte Gruppe verfügbar sind.
Einsatzmöglichkeiten
  • Fragen und Antworten:
    Studierende posten bei Unklarheiten Fragen im Forum, in dem sie grundsätzlich von allen anderen Studierenden beantwortet werden können. Alternativ können einige wenige Studierende mit der Aufgabe der Forums-Betreuung betraut werden. Als Lehrende/r nehmen Sie in diesem Szenario nur dann eine aktive Rolle ein, wenn Antworten ggf. korrigiert werden müssen.
    Ziel:
    Studierende helfen Studierenden. Durch das Prinzip der gleichen Augenhöhe weichen Studierende weniger auf private soziale Netzwerke aus, die die Gefahr von weniger korrekten Antworten und Falschinformationen bergen.
  • Diskussionsforum: 
    Das Forum eignet sich als Plattform für themenbezogene Diskussionen, insbesondere für strukturierte Diskussionsprozesse wie z. B.: Pro und Contra Debatten, oder Debatten in denen Studierende einen bestimmten Standpunkt vertreten.
    ​​​​In diesem Szenario haben Sie als Lehrende/r die Aufgabe, das Forum zu moderieren oder eine/n Studierenden mit der Moderation zu beauftragen. 
    Ziel:
    Studierende setzen sich mit einem Themenschwerpunkt aus unterschiedlichen Perspektiven auseinander. Sie üben die knappe und präzise Formulierung ihrer Standpunkte und machen sich mit Kommunikationsregeln vertraut.
  • Vor- und Nachbereitung einer Lehrveranstaltung:
    Studierende sammeln Literatur, Online-Ressourcen zu bestimmten Themen der Lehrveranstaltung und stellen diese über das Forum bereit. Nach der Lehrveranstaltung posten Studierende eine Zusammenfassung oder eine Dokumentation zu bestimmten Aufgaben.
    Ziel:
    Studierende recherchieren eigenständig und bereiten Rechercheergebnisse für andere Studierende auf.
  • Austausch in den Online-Phasen einer Blended Learning Lehrveranstaltung: Die Studierenden nutzen das Forum, um sich während der Online-Phase zu bestimmten Themen auszutauschen.
    Ziel:
    Studierende organisieren ihren Lernprozess eigenverantwortlich.
  • Peer Feedback:
    Die Studierenden stellen ihre Arbeit (z. B. Seminararbeit) im Forum für Rückmeldungen zur Verfügung. Danach begutachtet jede/r Student/in mindestens zwei andere Arbeiten (freie oder vorgegebene Zuteilung) und gibt Feedback. Danach arbeiten die Studierenden das erhaltene Feedback ein.
    Ziel:
    Wissenstransfer zwischen den Studierenden wird ermöglicht und der Erfahrungsaustausch wird angeregt.
  • Koordination und Kooperation:
    Die Studierenden nutzen das Forum, um sich über die Gruppenarbeit auszutauschen.
    Ziel:
    Studierende tauschen sich bei Gruppenarbeiten inhaltlich aus und organisieren ihre Arbeitsprozesse.

Im Forum können alle Studierende Beiträge ("Postings") eröffnen und kommentieren. Beim Verfassen von Beiträgen stehen im Editor verschiedene Templates zur Verfügung, wodurch die Beiträge übersichtlich formatiert werden können. Das Einfügen von Dateien, Links etc. ist im Editor möglich. Die Inhalte können mittels Themensträngen ("Threads") gegliedert und thematische Diskussionsstränge gebildet werden. Diese erscheinen chronologisch nach Datum. Ebenso kann auf Beiträge in anderen Themensträngen verwiesen werden ("Crosspostings").

Es wird zwischen moderierten und unmoderierten Foren unterschieden:

  • Bei moderierten Foren werden die Beiträge der Studierenden erst nach Freigabe durch Sie als Lehrperson veröffentlicht.
  • Bei unmoderierten Foren können die Studierenden frei ihre Beiträge posten. 
Gestaltung und Ablauf von Diskussionen im Forum

Beim Einsatz eines Diskussionsforums empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: 

  1. Planung und Vorbereitung:
    Zur Übersichtlichkeit der Diskussion sollte für jedes Thema ein eigenes Forum bzw. ein eigener Themenstrang ("Thread") eröffnet werden. Ein Themenstrang ist eine zusammenhängende Folge von Beiträgen zu einem bestimmten Thema. Legen Sie für die Diskussion im Forum Kommunikations- und Verhaltensregeln fest oder erarbeiten Sie diese gemeinsam mit den Studierenden in einem eigenen Forum und stellen Sie sie zum Nachlesen zur Verfügung. Für manche Themen bzw. Kurse kann es sinnvoll sein, den Studierenden ein informelles Forum anzubieten (z. B. „Pausentreff“, "Organisatorisches"). 
  2. Einladung zur Diskussion:
    Laden Sie die Studierenden bspw. per E-Mail oder über die Ankündigungsfunktion der Lernplattform zur Diskussion ein. Erstellen Sie ein neues Forum bzw. Thread und verfassen Sie darin eine Eröffnungsmitteilung, die neben der Beschreibung des Diskussionsthemas auch Informationen darüber enthält, ob und in welchem Zeitabstand Sie die Beiträge der Studierenden lesen und wie Sie darauf reagieren werden. Formulieren Sie weiters einen konkreten Diskussionsauftrag.
  3. Ablauf und Moderation einer Diskussion:
    Verfolgen Sie die Diskussion im Forum und gehen Sie in angemessenen Zeitabständen auf etwaige Fragen von Studierenden ein. Ggf. können Sie die Studierenden auf die Einhaltung der vereinbarten Kommunikations- und Verhaltensregeln aufmerksam machen. Als Lehrende/r ist es Ihre Aufgabe, den Kommunikationsfluss aufrecht zu erhalten und neue Impulse zu setzen (durch nachfragen, bestätigen, motivieren, neue Informationen und Perspektiven, provokante Thesen etc.). Fassen Sie in regelmäßigen Abständen die Beiträge zusammen oder verknüpfen Sie sie (vgl. Summarising und Weaving). Ist die Diskussion zum Thema erschöpft, schließen Sie die Diskussion ab und danken Sie den Beteiligten für die Teilnahme. 
  4. Nachbereitung der Diskussion:
    Nachdem eine Diskussion beendet und das dazugehörige Forum geschlossen wurde, ist eine Anregung zur Reflexion über die inhaltliche Diskussion und über die gesammelten Erfahrungen im Forum sinnvoll. Stellen Sie den Studierenden darüber hinaus die Diskussionsbeiträge bzw. die Zusammenfassung der Diskussion zur Nachlese zur Verfügung. 

Als Unterstützung für die Planung, Durchführung und Nachbereitung einer Diskussion im Forum finden Sie hier  eine Checkliste für die Gestaltung eines Diskussionsforums.

Vorteile
  • Geeignet für sachbezogenen Austausch und vertiefende Diskussion zu unterschiedlichen Themen
  • Nachhaltiger Austausch und Generieren von Wissen und Erfahrungen möglich
  • Unabhängig von Raum und Zeit (asynchrones Medium)
  • Beiträge können inhaltlich vorbereitet und gut ausformuliert werden
Nachteile
  • Kommunikation in Gang zu setzen und am Laufen zu halten kann herausfordernd sein
  • Relativ hohe Hemmschwelle, da das einmal Gesagte für jeden sichtbar wird und auch über längere Zeit sichtbar bleibt
  • Langsamerer Kommunikationsaustausch, da zeitversetzt (asynchron), "zeitliche Zerrissenheit" der Kommunikation bzw. Diskussion
  • Bei geringer Beteiligung wird die Diskussion schnell langweilig und die Studierenden verlieren die Lust an einer aktiven Mitwirkung
  • Gefahr der Unübersichtlichkeit – parallele Diskussionsstränge können sich bilden, wobei der inhaltliche Zusammenhang ohne den Einsatz von Crosspostings verloren geht
TIPP Eröffnen Sie für jedes Thema ein eigenes Forum bzw. einen eigenen Thread. Dies unterstützt die Übersichtlichkeit.
Achten Sie bei den Beiträgen auf einen aussagekräftigen Betreff, der die Neugier zum Lesen weckt.
WU-HINWEIS Das Forum in MyLEARN bietet eine integrierte Suche nach bereits vorhandenen Themen beim Anlegen neuer Einträge. Wie Sie ein Diskussionsforum in MyLEARN einrichten können, erfahren Sie im MyLEARN-Guide.

Quellen

Bett, K./Gaiser, B. E-Moderation, in: e-teaching.org, hrsg. v. Universität Tübingen, http://www.e-teaching.org/lehrszenarien/vorlesung/diskussion/e-moderation.pdf, 10.09.19, (Orig. 2004).

Busch, F./Mayer, T. B., Der Online-Coach. Wie Trainer virtuelles Lernen optimal fördern können, Basel/ Weihnheim: Beltz Verlag 2002.

Häfele, H./Maier-Häfele, K., 101 e-le@rning Seminarmethoden. Methoden und Strategien für die Online- und Blended Learning Seminarpraxis, Bonn: managerSeminare Verlags GmbH 2005.

S.n., Chat, in: e-teaching.org, hrsg. v. Leibniz-Institut für Wissensmedien Tübingen, http://www.e-teaching.org/didaktik/kommunikation/chat/, 10.09.2019.

Zottmann, J./Dillenbourg, P./Fischer, F., Computerunterstütztes kooperatives Lernen. Eine Einführung in das Forschungsfeld, in: e-teaching.org, https://www.e-teaching.org/didaktik/gestaltung/kommunikation, 10.09.2019 (Orig. 2007).



Empfohlene Zitierweise:
Kommunikationstools der eModeration, Teaching & Learning Academy, Wirtschaftsuniversität Wien, https://learn.wu.ac.at/open/tlac/kommunikationstools, November 2019.


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