Nachschau 7. Treffen der Plattform Lehr-/Lernentwicklung
Am 12. Jänner 2026 stand das Thema Diversität in der Hochschullehre im Mittelpunkt des neujährlichen Austauschtreffens der Plattform Lehr- und Lernentwicklung, dieses Mal gehostet von der FH Technikum Wien. Unter dem Titel „Diversität sichtbar machen - Wie Vielfalt die Hochschule prägt“ diskutierten die Teilnehmenden in drei Tracks, wie heterogene Studierendengruppen den Hochschulalltag beeinflussen, wo Herausforderungen liegen und durch welche didaktischen wie strukturellen Ansätze Vielfalt gezielt als Ressource für inklusive und wirksame Lehr-/Lernprozesse genutzt werden kann.
Den inhaltlichen Auftakt gestalteten FH-Prof. Dr. Sylvia Geyer, Rektorin der FH Technikum Wien und Mag. Dr. Sylvia Lingo, Leiterin des Teaching & Learning Centers. Sie machten deutlich, dass Vielfalt an Hochschulen längst gelebte Realität ist und verwiesen dabei auf unterschiedliche Bildungsbiografien und Lebenskontexte sowie aktuelle Entwicklungen, etwa die steigende Zahl internationaler und erwerbstätiger Studierender. Hervorgehoben wurde auch die positive Entwicklung der Frauenquote an der FH Technikum Wien. Entscheidend sei jedoch die bewusste Sichtbarmachung und strukturelle Verankerung von Diversität. Erst wenn Hochschulstrategie, Curriculum, Lehr-/Lernräume und Lehrdesign gezielt zusammenspielen, werden chancengerechte Lernmöglichkeiten für Studierende geschaffen. Prägnant brachte es der Merksatz „Diversität ist Realität – Inklusion ist Design“ auf den Punkt.
Anknüpfend an diese Leitgedanken wurde in drei thematischen Austauschgruppen weiterdiskutiert, die verschiedene Handlungsfelder und Ansatzpunkte einer diversitätssensiblen Hochschullehre beleuchteten.
Track 1: Diversität verstehen – von der Strategie zur Lehrpraxis
In Track 1, moderiert von Elisabeth Froschauer-Neuhauser, standen strategische und strukturelle Prozesse im Hochschulkontext im Fokus sowie die Frage, welche konkreten Handlungsansätze und Angebote sich daraus ableiten lassen. Neben Themen wie Curriculumsentwicklung, hochschuldidaktischen Qualifizierungsmaßnahmen bis hin zur Reflexion im Seminarraum wurden auch hochschulspezifische Initiativen wie BERTL oder das an der WU bekannte Förderprogramm BeAble diskutiert. Im Rahmen dieser Initiativen sollen Barrieren – etwa aufgrund von psychischen und physischen Beeinträchtigungen – systematisch sichtbar gemacht und nachhaltig reduziert werden.
Track 2: Lehre für unterschiedliche Lernvoraussetzungen gestalten – Mikrodidaktische Ansätze und Formate
Track 2 wurde von Manuel Rotter sowie Selma Kovacevic angeleitet und rückte praxisnahe Impulse für barrierefreies Lehrdesign in den Mittelpunkt. An drei Posterstationen tauschten sich die Teilnehmenden zu den Bereichen Lernziele, Lernaktivitäten und Prüfungen aus. Diskutiert wurde unter anderem, Lernziele klar, verständlich und kompetenzorientiert zu formulieren und Studierenden regelmäßig Raum zur Reflexion ihres individuellen Lernfortschritts zu geben. Bei den Lernaktivitäten wurden Methodenvielfalt, differenzierte sowie individualisierte Aufgabenstellungen (z. B. durch Einsatz von KI), projekt- und fallbasiertes Lernen, Peer-Learning-Formate sowie kontinuierliches Feedback und Reflexion als zentrale Ansätze hervorgehoben. Den Abschluss bildete die Frage, wie Lehrende barrierefreie Leistungsüberprüfung ermöglichen können – etwa durch flexible Prüfungsformate und bewusst gestaltete Prüfungsumgebungen.
Track 3: Lehrunterstützung gemeinsam denken – Zusammenarbeit in der Lehre und darüber hinaus
In Track 3, moderiert von Agnes Kriz, wurde deutlich, dass diversitätsbewusste Lehre auf tragfähige Kooperationsstrukturen angewiesen ist. Tutorien und Mentoringprogramme sowie die Zusammenarbeit mit Schreib- und Lernzentren, Diversity Offices und International Offices können Studierende wirksam unterstützen und die Lehre sinnvoll ergänzen.
In einer abschließenden gemeinsamen Plenumsdiskussion wurden die unterschiedlichen Ergebnisse aus den drei Tracks zusammengetragen und reflektiert. Dabei zeigte sich, dass die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Diversität eine dauerhafte Aufgabe von Hochschulen ist, in der ein hochschulübergreifender Austausch neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnen kann.
Plattform Lehr- und Lernentwicklung
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