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Teaching & Learning Academy
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Teachers Talk

Paul Rameder

Dr. Paul Rameder, MSc, lehrt und forscht am Institut für Nonprofit Management und Governance (Departement Management) sowie am Center für Social Entrepreneurship und Social Innovation. In seinen Lehrveranstaltungen u.a. zu Organisational Behavior und Public und Nonprofit Management setzt er zentral auf die zielgerichtete Kombination von forschungsgeleiteter Wissensvermittlung mit handlungs- und gruppenorientierten Lehr-Lernmethoden. Aktuell ist Paul Rameder zudem Teil des Erasmus+ Projekts „Outdoor Learning in Higher Education“ (OLHE), das Outdoor-Lehre an Universitäten fördert und im Sommersemester 2026 auch Weiterbildungsworkshops für interessierte Lehrende an der WU anbietet. In weiteren Projekten beschäftigt er sich mit Service Learning und den damit verbundenen „Campus Community Partnerships“, d. h. der Zusammenarbeit von Universitäten mit Nonprofit-Organisationen und öffentlichen Institutionen.

Was zeichnet Ihre Lehre aus?

Es ist mir besonders wichtig, meine Präsenzlehre so zu gestalten, dass die physische Anwesenheit der Studierenden für sie tatsächlich einen Mehrwert gegenüber digitalen, asynchronen Formen der Wissensvermittlung hat. Das bedeutet konkret, Sequenzen der Vermittlung von Theorien, Modellen und empirischen Forschungsergebnissen mit interaktiven, handlungs- und gruppenorientierten Methoden zur Wissensverarbeitung und Reflexion zu verbinden. Dazu nutze ich vielfach den Grünen Prater, da es außerhalb des Seminarraums leichter ist, Studierende in wechselnden Gruppensettings miteinander in Kontakt und sowohl körperlich als auch kognitiv in Bewegung zu bringen. Die unterschiedlichen sozialen Settings ermöglichen Perspektivenvielfalt, und die Reflexion persönlicher Bezüge zu den Inhalten der Lehrveranstaltung fördern den Lernprozess.

Haben Sie konkrete Tipps für einen gelungenen Einsatz von Gruppenarbeiten, die Sie an interessierte Kolleg:innen weitergeben können?

Wichtig ist der hypothesengeleitete Einsatz von Unterrichtsmethoden. Konkret bedeutet das, Klarheit über die eigenen Wirkannahmen zu haben, in welcher Form die eingesetzten Methoden - und damit auch Gruppenarbeiten - das Lernen und den Kompetenzerwerb der Studierenden unterstützen. Ich würde daher folgende Frage stellen: Werden Gruppenarbeiten primär eingesetzt, um die Anforderungen der drei voneinander unabhängigen Leistungsbestandteile bei prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen zu erfüllen? Oder sollen Gruppenarbeiten Studierenden primär die Möglichkeit geben, ihre fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen in der Zusammenarbeit mit anderen weiterzuentwickeln?

Geht es um den Kompetenzerwerb in der Teamarbeit, dann gilt es, gruppendynamische Grundprinzipien bei der Vorbereitung und Begleitung der Gruppen zu beachten. Konkret bedeutet das, ausreichend Struktur und Zeit zum Kennenlernen und Vertrauensaufbau in den Gruppen innerhalb der Lehrveranstaltung zur Verfügung zu stellen (Was verbindet uns als Gruppe?).

Anschließend ist es wichtig, die Gruppe beim Prozess ihrer internen Differenzierung zu unterstützen (Wo unterscheiden wir uns? Wer hat welche Stärken, Kompetenzen aber auch Schwächen?). Erst nach diesem Schritt ist erfahrungsgemäß eine an Kompetenzen und Funktionen ausgerichtete Arbeitsteilung innerhalb der Gruppe möglich, die über die z.B. rein mengenmäßige Gleichverteilung der Literatur, hinausgeht. Bei diesem Schritt kann es hilfreich sein, der Gruppe wiederum eine Struktur und Zeit zur Verfügung zu stellen, um die Aufgabenstellung zuerst hinsichtlich der Anforderungen zu analysieren, nötige Prozess- und Arbeitsschritte zu identifizieren und anschließend diese entsprechend kompetenzorientiert zu Aufgabenpaketen zusammenzufassen (Wie organisieren wir uns? Wer hat welche Funktion und ist wofür konkret verantwortlich?). Hat die Gruppe die Aufgabe bzw. Arbeit abgeschlossen, erhöhen strukturiertes „Debriefing“ und Reflexion der Zusammenarbeit die Wahrscheinlichkeit für nachhaltige Lerneffekte und Kompetenzerwerb bei den Studierenden.

Welche Herausforderungen erleben Sie in Lehrveranstaltungen, und wie meistern Sie diese?

Ich bin immer wieder mit einzelnen Studierenden konfrontiert, die denken, versäumte Präsenzlehrveranstaltungen können wie Erklärvideos in einer Mediathek nachgeschaut und damit 1:1 nachgeholt werden. Das trifft auf die reinen Wissensinhalte, vielfach dank Youtube, auch zu, nicht aber auf jene Teile der Lehrveranstaltungen, wo handlungs- und interaktionsorientierte Methoden zur Verarbeitung und zum Kompetenzerwerb im unmittelbaren gemeinsamen Tun und Denken eingesetzt werden. Diese oben als „Mehrwert“ von Präsenzlehrveranstaltungen beschriebenen Lernerfahrungen lassen sich nicht asynchron und allein vor dem Bildschirm nachholen. Erleben Studierende diesen Mehrwert selbst, ändern sie meist auch ihre diesbezügliche Haltung. Das macht Mut, neben digitalen Methoden auch analoge und handlungsorientierte Methoden in der Präsenzlehre, indoor wie outdoor, laufend weiterzuentwickeln.