Artist Talk: Wendelin Pressl
Was lässt sich an exzellenter Lehre vermessen - und was entzieht sich jedem Maßstab? In seinen Arbeiten für "The Art of Teaching 2026" setzt sich Wendelin Pressl mit MASSSTÄBEN, Ordnung und Freiheit auseinander. Im Artist Talk spricht er über "wissenschaftsgraue" Materialien, wie seine Werke entstanden sind und natürlich auch darüber, was Lineale mit Lehre zu tun haben.
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Wendelin Pressl wurde in Graz (1971) geboren und lebt und arbeitet freischaffend in Wien. Er absolvierte sein Studium an der Meisterschule für Malerei in Graz (1993) und an der Akademie der bildenden Künste in Wien (2000). Wendelin Pressls künstlerische Praxis beruht auf Versuchsanordnungen an der Grenze zwischen Kunst, Wissenschaft und Wahrnehmung. Er versetzt mit seinen Werken die Sicht auf alltägliche oder vermeintlich allgemeingültige Gegebenheiten humorvoll und behutsam in neue Ordnungen.
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Was zeichnet Ihre Kunst aus? Was macht Ihre Kunst besonders?
Mich interessieren in meiner Arbeit die Gegensätze Chaos und Ordnung, Regelung und Konfusion. Bei der Erarbeitung einer konkreten Fragenstellung versuche ich dann über diese Gegensatzpaare zu einer allgemeingültigen Antwort zu gelangen. Wie im Fall unserer Lineale: Norm und Freiheit.
Wie sind die Werke entstanden und was hat sie beeinflusst?
Bei der Auseinandersetzung mit der Lehre habe ich mir anfänglich Gedanken gemacht über unsere generelle Entwicklung als Mensch. Da ist mir dann ein „Projekt“ eingefallen, das mein jetzt 9-jähriger Sohn und ich schon eine Zeit lang verfolgen: Seit er in die Schule geht, bitte ich ihn ab und zu mir ein Lineal zu zeichnen. Wunderbare Konstrukte sind das dann! Schief, aber mit Maßeinheiten. Ungerade und doch eindeutig ein technisches Gerät. Durcheinander versus „Geordnetheit“. Und dann der Gedanke: vielleicht sollte gute Lehre beides beinhalten – die Freiheit, Lineale schief zu zeichnen, aber dennoch das Wissen, was ein Zentimeter ist, was er zu bedeuten hat und wie man ihn verwendet. Und, dass er unverrückbar ist. So als Bild.
Wie beginnt ein neues Werk bei Ihnen? Wie entstehen Ihre Ideen?
Ich mag einfache Materialien wie Papier, Karton, Holz – man kann sie ohne großen technischen Aufwand bearbeiten und hat daher großen gestalterischen Bewegungsspielraum. Zudem gefällt mir im formalen Charakter ein gewisses wissenschaftliches Erscheinungsbild. Oder besser quasi-wissenschaftlich. Objekte, auch wenn sie einfach gebaut sind, scheinen wenn man ihnen einen wissenschaftlichen Habitus einhaucht, gleich mords eine Bedeutung zu bekommen. Und sei es nur wenn man sie grau bemalt – ich nenn das dann immer wissenschaftsgrau…
So viel vielleicht zur künstlerischen Sprache. Inhaltlich ist der Entstehungsprozess wohl jedes Mal anders. Das kommt auch darauf an, ob man gezielt eine Idee kreieren will, wie in unserem Fall, oder ob in der freien Atelierarbeit quasi etwas „passiert“, man etwas entdeckt, das man dann verfolgt und verwertet.
Mir gefällt, wenn ein Kunstwerk immer auch so etwas wie eine Erfindung ist. Und wenn es sich in seiner Rezeption den Betrachtenden nicht verwehrt und sich im Unverständlichen versteckt, sondern ihnen ein Stück weit entgegenkommt.

Nähere Informationen zu Wendelin: www.wendelinpressl.com und https://www.instagram.com/wendelin.pressl/
