Skip to main contentSkip to breadcrumbsSkip to sub navSkip to doormat
You are here

Effektiv lernen

Fremdsprachenlernen als Gehirntraining

Fremdsprachenkenntnisse öffnen die Tür für ein Studium im Ausland und bringen häufig Karrierevorteile mit sich. Ein anderer Vorteil des Sprachlernens kommt in der Diskussion aber meist gar nicht vor: Das regelmäßige Sprechen von Fremdsprachen trainiert kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis und Merkfähigkeit – und damit das Gehirn.  

Das Erlernen einer neuen Sprache ist eine komplexe Aufgabe. Zu den neuen Wörtern, die man sich merken muss, kommt auch eine neue Grammatik und ein Sprachsystem, das sich häufig von dem unserer Muttersprache stark unterscheidet. Das beansprucht das Gehirn stärker, als die Wiederholung bekannter Sprachstrukturen. Wie eine Studie von Weber et al. (2016) belegt, erhöht sich bei der Wiederholung unbekannter Strukturen die Hirntätigkeit in jenen Regionen des Gehirns, von denen man weiß, dass sie auch für die Muttersprache genutzt werden – neue Sprachen zu lernen, trainiert also das Gehirn.

Wie äußert sich dieses Training konkret?

Bilingualität geht mit verbesserten exekutiven Funktionen einher (vgl. Bialystok 2012). Darunter versteht man kognitive Leistungen wie Merkfähigkeit, Multi-Tasking, aber auch das Unterdrücken irrelevanter Informationen. Interessant ist dabei, dass dies nicht nur für zweisprachig aufgewachsene Personen gilt, sondern auch für Menschen, die eine zweite Sprache erst später im Leben erlernen.

Die Merkfähigkeit ist ein Aspekt, der durch das Sprechen zweier oder mehrerer Sprachen gefördert wird (vgl. Kroll et al. 2012). Trainiert jemand sein Gehirn durch Fremdspracherwerb, so fallen Gedächtnisleistungen wie das Merken von Einkaufslisten oder den Namen neuer Bekanntschaften leichter.

Der Wechsel zwischen der eigenen Muttersprache und der Fremdsprache trainiert die Fähigkeit zwischen unterschiedlichen Aktivitäten zu wechseln. Das lässt sich dann auch auf andere Bereiche übertragen, sodass mehrsprachigen Personen das Multitasking leichter fällt.

Aus den vielen Eindrücken und Informationen, die uns erreichen, die wichtigen herauszufiltern ist elementar wichtig für unseren Alltag. Ohne diese Fähigkeit, könnten wir nicht priorisieren. Mehrsprachige Personen sind ständig damit beschäftigt, die richtige Sprache auszuwählen und gleichzeitig nicht benötigte Regeln und Wörter zu unterdrücken. Dadurch fällt es ihnen leichter Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und Ablenkungen auszublenden.

Schließlich zeigen Studien (z.B. Bialystok et al. 2007), dass Demenzerkrankungen um einige Jahre verzögert werden, wenn neben der Muttersprache eine weitere Sprache beherrscht wird. Und auch wenn Demenz für die meisten von euch noch weit weg ist, lohnt es sich aus vielen Gründen, Zeit in das Erlernen und Sprechen anderer Sprachen als der Erstsprache zu investieren!

Quellen

Bialystok, E. (2012). Bilingualism: consequences for mind and brain. Trends in Cognitive Sciences., 16(4). https://doi.org/10.1016/j.tics.2012.03.001

Bialystok E, Craik FI, Freedman M. (2007). Bilingualism as a protection against the onset of symptoms of dementia. Neuropsychologia, 28;45(2): 459-464.

Kroll, J. F., Dussias, P. E., Bogulski, C. A., & Valdes-Kroff, J. (2012). Juggling two languages in one mind: What bilinguals tell us about language processing and its consequences for cognition. In B. Ross (Ed.), The Psychology of Learning and Motivation, 56: 229-262. San Diego: Academic Press.

Weber, K., Christiansen, M. H., Petersson, K. M., Indefrey, P., Hagoort, P. (2016). fMRI Syntactic and Lexical Repetition Effects Reveal the Initial Stages of Learning a New Language. J Neurosci, 29;36(26): 6872-6880.