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Kontinuierlich Mitlernen statt Binge Learning

So tappt ihr nicht in die Binge Learning Falle

Gerade in sehr dichten Phasen des Semesters versuchen wir oft unmittelbar vor den Prüfungen besonders viel Stoff zu lernen. Dann werden im Schnelldurchlauf alle Mitschriften und Aufzeichnungen durchgeschaut und die Nächte zum Tag gemacht. Diese Strategie ist allerdings wenig nachhaltig. Wie ihr Binge Learning vermeidet und effizienter lernt, erfahrt ihr hier. 

Für viele Studierenden ist nicht nur Binge Watching sondern auch Binge Learning ein bekanntes Phänomen. Das richtig „Reinstrebern“ kurz vor der Prüfung ist im Vergleich zum Lernen über einen längeren Zeitraum allerdings wenig wirkungsvoll. Der aufgenommene Lerninhalt wird beim Binge Learning schnell wieder vergessen, während kontinuierliches Lernen über einen längeren Zeitraum zu einer deutlichen Wissenszunahme führt, ohne dass in Summe mehr Zeit dafür investiert werden muss (vgl. Bjork/Dunlosky/Kornell, 2013; Müller). Auch in anderen Kontexten, wie z.B. im Sport, in der Musik oder der Forschung werden Erfolge nicht durch Last-Minute Trainings erreicht. Athlet*innen, Musiker*innen und Wissenschaftler*innen arbeiten lange auf Wettkämpfe, Auftritte und Publikationen hin, um nachhaltige und bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Durch häufiges Wiederholen und Üben steigt nicht nur die Menge des gespeicherten Lernstoffs, sondern auch die Qualität durch das Erkennen von Zusammenhängen (vgl. Klauer/Leutner, 2012; Bönsch, 2010).

Wir zeigen euch, wie kontinuierliches Lernen leichter fällt und warum es wirkungsvoller ist:

Kurze Episoden, dafür regelmäßig. 

Um kontinuierliches Lernen zu fördern, plant schon während des Semesters fixe Lernzeiten in euren Studienalltag ein. Dafür eigenen sich bereits kürzere Lerneinheiten zwischen 15 – 90 Minuten. Damit der Start in die Lernsession leichter fällt, könnt ihr diese z. B. gleich als Nachbereitung an eine LV-Einheit legen. Durch die Regelmäßigkeit bekommt das Gehirn die Chance, das Gelernte zu Wiederholen und mit neuem Wissen aus der Lehrveranstaltung nachhaltig zu verknüpfen. Dadurch können Informationen „verdaut“ und in ruhigen Momenten reflektiert werden. Auch darauf aufbauende Diskussionen mit Studienkolleg*innen helfen, den Lernstoff zu festigen und weitere „Aha-Erlebnisse“ zu entwickeln, da an bereits bestehendes Wissen angeknüpft werden kann (vgl. Bjork/Dunlosky/Kornell, 2013). Hilfreiche Tipps, wie ihr durch Lernroutinen regelmäßiges Lernen fördern könnt, erfährt ihr in diesem Newsletter.

Lieber drüber schlafen als schlaflose Nächte.

Ausreichend Schlaf ist eine wichtige Unterstützung für das Gehirn, um das Gelernte im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Dabei werden die Informationen aus dem Arbeitsgedächtnis im präfrontalen Kortex in den Hippocampus verschoben (vgl. Gruber, 2018). Schlaf ist somit nicht nur für die körperliche Erholung wichtig, sondern hat einen großen Einfluss auf unsere Konzentration und Leistungsfähigkeit und hilft bei der Konsolidierung des Gedächtnisses (vgl. Sleep Foundation, 2020). Es ist daher effektiver, wenn ihr über 10 Tage jeweils 1 Stunde lernt anstatt 10 Stunden über zwei Tage. In diesem Artikel erfährt ihr mehr über die Bedeutung des Schlafs für das Lernen.

Abwechslung beim Lernformat.

Langfristiges Lernen ermöglicht es leichter, unterschiedliche Lernstrategien anzuwenden und auf die Prüfung mit erprobten Methoden richtig hin zu trainieren. Dabei könnt ihr euch einen Lernplan erstellen, der z.B. Probe-Prüfungen, Selbst-Tests, gegenseitiges Abfragen, Peer Learning etc. beinhalten (vgl. Dunlosky et al., 2013). Auf unserer Homepage findet ihr viele Tipps für passende Lernstrategien.

Quellen

Bjork, R. A., Dunlosky, J., & Kornell, N. (2013):  Self-regulated learning:  Beliefs, techniques, and illusions. Annual Review of Psychology, 64, 417-444.

Bönsch, M. (2010): Nachhaltiges Lernen durch Üben und Wiederholen. Schneider.

Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013): Improving students’ learning with effective learning techniques: Promising directions from cognitive and educational psychology. Psychological Science in the Public Interest, 14, 4-58, https://doi.org/10.1177%2F1529100612453266

Gruber T. (2018): Gedächtnis. Springer: Berlin, Heidelberg, https://doi.org/10.1007/978-3-662-56362-5

Klauer, K. & Leutner, D. (2012): Lehren und Lernen. Beltz.

Müller, S.: Übersicht zu Lerntechniken und Lernmethoden. Lernen über einen längeren Zeitraum. FH Zwickau.
https://www.fh-zwickau.de/hochschule/service/hochschuldidaktik/werkzeugkasten-hochschullehre/lerntechniken/uebersicht/#c7870 

Sleep Foundation (2020): How much sleep do we really need? https://www.sleepfoundation.org/how-sleep-works/how-much-sleep-do-we-really-need.